Als Jugendlicher spielt Arno Paduch im Posaunenchor in Rodheim vor der Höhe, wo er zuhause ist. Auf dem Schulweg entdeckt er in einem Friedberger Laden eine Schallplatte, die er einfach haben musste. Beides hat miteinander zu tun und bestimmt Berufsleben und -leidenschaft des Musikers bis heute. Arno Paduch studiert und spielt nämlich Zink, ein altes, bis ins 18. Jahrhundert verbreitetes Blasinstrument.

Gerard van Honthorst, Singender Zinkspieler, 1623

Die schwierige Spieltechnik zu erlernen ist das eine. Man muss aber auch die passende Musik finden. Also begibt sich Arno Paduch in die Archive, entdeckt Inventare von Kantoreien, das Repertoire der städtischen und höfischen Kapellen und oft auch die gedruckten oder handschriftlichen Noten der in ihnen verzeichneten Musikstücke. Hinzu kommen Erkenntnisse zur Musikpraxis des 16., 17., und 18. Jahrhunderts, zu Fragen von Konventionen und Geschmack, auch zu Namen von Komponisten, die es für den heutigen Musikbetrieb wiederzugewinnen gilt.

Denn reizvoll sind alte Musik, ungewohnte Klänge und imaginäre Zusammenhänge allemal! Wie etwa lief eine bis zu zehnstündige Kaiserkrönung im Frankfurter Dom ab? Wie verhält es sich mit den Stimmtonhöhen nicht industriell gefertigter Instrumente? – eine unabdingbare Voraussetzung fürs gemeinsame Musizieren. Wer war Johann Rosenmüller, der einem von Arno Paduch gegründeten Ensemble den Namen gibt? Selbst in Beatles-Songs entdeckt der 56-jährige Zinkenist den Nachhall älterer Formen und komplexer Rhythmen.

Gastgeber: Andreas Bomba

Musiktitel dieser Sendung:
- Cario Castello: Sonata quarta / Bruce Dickey, Schola Cantorum Basiliensis
- The Beatles: We Can Work It Out
- Antonio Bertali: "Kyrie" aus Missa Sancti Spiritus / Johann Rosenmüller-Ensemble, Arno Paduch
- Johann Rosenmüller: Aurora rosea rutilans / Georg Poplutz, Johann Rosenmüller-Ensemble, Arno Paduch

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 22.06.2021, 12:05 Uhr.

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