Vor einiger Zeit machte eine bizarre Personalie die Runde: eine Berliner Anwältin versuchte auf dem Klageweg, ihrem Kind die Mitgliedschaft im Staats- und Domchor zu ermöglichen. Das Problem: der traditionsreiche Chor ist ein Knabenchor, das Kind ein Mädchen. Judith Kunz, seit neun Jahren Chordirektorin am Limburger Dom, meint dazu, wenn es in Berlin keinen anderen Chor für Kinder und Jugendliche gäbe, wäre das Ansinnen durchaus berechtigt.

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Zum Artikel Die Chordirektorin Judith Kunz spricht über den Umgang mit singfreudigen jungen Menschen.

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Denn Singen macht Spaß. Gleichwohl gibt es klangliche, pädagogische und psychologische Gründe, beiden Geschlechtern unterschiedliche Angebote zu machen. Auch in Limburg gibt es Domsingknaben und die Mädchenkantorei mit männlicher und weiblicher Leitung, denn Jungen und Mädchen, so die Erfahrung die Musikern, ticken doch ganz schön anders, zumal in Zeiten der Pubertät.

Im "hr2-Doppelkopf" geht es auch um die schwindende moralische Autorität der katholischen Kirche und ihre Auswirkungen auf die Chorarbeit. Glaubwürdig ist Kirche nur, sagt Domchordirektorin Kunz, wenn sie Werte nicht nur fordert und vermittelt, sondern auch vorlebt. Warum es noch immer nur wenige Frauen in der kirchenmusikalischen Führungsebene gibt, könnte mit der familienunfreundlichen Arbeitszeit zu tun haben. Judith Kunz, ausgebildet in Köln und vor Limburg am Würzburger Dom tätig, macht vor allem die Erfahrung, dass der Umgang mit singfreudigen jungen Menschen jedoch beiden Seiten sehr viel gibt, positive Werte vermittelt und deshalb mehr Resonanz in Medien und Gesellschaft verdient hätte.

Gastgeber: Andreas Bomba

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 30.01.2020, 12:05 Uhr.

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