Martina Keiffenheim ist die neue Leiterin des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz und der Dependance in Bernburg an der Saale. Im Juli 2019 hat sie diese Aufgabe übernommen. Für die frühere Radio- und Fernsehjournalistin schließt sich damit ein Kreis. Mit Hilfe ihres Mannes und ihres erwachsenen Sohnes betreibt sie auch selbst ein Brettl, die KleineKUNSTBÜHNE im rheinhessischen Saulheim.

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Zum Artikel Die Archivleiterin Martina Habner-Keiffenheim erzählt von Freuden und Nöten ihres besonderen Arbeitsplatzes.

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Entstanden ist das Deutsche Kabarettarchiv durch die persönliche Leidenschaft eines jungen Mannes. In den 1960er-Jahren hatte der Graphikstudent Reinhard Hippen ein paar Koffer mit  Zeitungsausschnitten und Tonbänder von Leer nach Mainz geschleppt. Auch hier wollte er alles sammeln, was ihm in Sachen Kleinkunst in die Finger kam. Kein Geringerer als der legendäre Werner Finck unterstützte das Archiv finanziell und hinterließ ihm auch sein gesamtes kabarettistisches Erbe. Als Hippens Wohnung die Sammlung nicht mehr fassen konnte, stellte ihm die Stadt Mainz zwei große Wohnungen zum arbeiten und leben zur Verfügung, die auch bald aus den Nähten platzten. Schließlich fand das Archiv im historischen Proviant-Magazin in Mainz seine Heimat.

Die Räume in Bernburg beherbergen die Nachlässe aus dem Ost-Deutschen Kabarett. Auch und gerade in der DDR spielte Kabarett eine große Rolle. Es hatte eine wichtige Ventilfunktion im autoritären Staat, wurde dort sogar gefördert. Nun lagern in den beiden Archiven Dokumente über das politisch-literarische Kabarett durch alle Zeiten: Kaiserzeit, zwei Weltkriege, Faschismus, Diktatur des real existierende Sozialismus und Demokratie. Zudem lagern noch weitere Exponate in Räumen am Mainzer Stadtrand, die noch gar nicht gesichtet wurden. Fragmente des Kabaretts von den 20er-Jahren bis heute - unersetzliche "Dokumente des geschärften Geistes".

Es gibt also viel zu tun für Martina Keiffenheim. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Kollegin Nicole Roth, die die Verwaltung leitet, dem langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter und Archivar Matthias Thiel und der Assistentin Marion Meisenzahl. Das Team will den Internetauftritt des Kabarettarchivs überarbeiten und mit der Digitalisierung der Exponate und deren crossmedialen Verbreitung voranschreiten. Daneben organisiert die "Hüterin des Kabarettarchivs" Vorträge, Autorenlesungen, Führungen, Ausstellungen. Seit 1998 finanziert die "Stiftung Deutsches Kabarettarchiv e.V." den Erhalt der Bestände. Stadt, Land und Bund geben ihren Teil dazu.

Gastgeberin: Karin Röder

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 17.12.2019, 12:05 Uhr.

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