Sabine Werth haben die Folgen von Corona erwischt. Dass die Pandemie gesellschaftliche Gegensätze deutlicher sichtbar werden lässt zeigt sich auch in ihrem Lebensthema: der "Tafel". Seit die Sozialarbeiterin vor fast drei Jahrzehnten begann, Obdachlosenorganisationen für den amerikanischen Gedanken zu begeistern, Lebensmittel einzusammeln und an Arme zu verteilen, hat sie nicht so harte Tage erlebt wie während der Pandemie.

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Die Basis der "Tafel" in Deutschland ist in Gefahr. Längst rechnen staatliche Institutionen mit der sozialen Grundversorgung durch Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die in Supermärkten und Bäckereien Verderbliches einsammelten und in über hundert Ausgabestellen bundesdeutscher Tafeln an Bedürftige ausgeben, da nagt die Pandemie an den Säulen der karitativen Institution. 

Zum Helfen braucht man Kraft und wer Angst hat bleibt zuhause. Die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich engagierten, dünnte sich in den Tagen von Corona aus. Geschlossene Restaurants hatten keine Reste abzugeben. Im Lock down bleiben Arme unversorgt. Was vor fast dreißig Jahren mit klapprigen Privatwagen und dem Einsammeln alter Schrippen begann, fand sich als bundesweite Institution in einem Klima sozialer Kälte wieder. Vorbei die Zeiten, da Großkonzerne ganze Wagenflotten spendeten, um ihr Image aufzupolieren. Die Schlangen der Bedürftigen wuchs. 

Sabine Werth hält an ihrem Engagement fest, denn sie weiß um die Lebensfreude spendende Kraft, die Tafelengagierte prägt. Und die Trägerin des Europäischen Sozialpreises kann diese Kraft auch sinnlich beschreiben.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

Musiktitel dieser Sendung:
- Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier Nr. 8 c-moll, op. 13 (Pathétique) (Ausschnitt) / Daniel Barenboim
- Barbra Streisand & Donna Summer: No More Tears (Enough is Enough)
- Norah Jones: Don't Know Why

Wiederholung eines Gesprächs von 2018.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 12.07.2021, 12:05 Uhr.