Die Notenschrift sei eine Aufforderung, schwarze Punkte in lebendiges Erzählen umzuwandeln, sagt der Frankfurter Pianist Christoph Ullrich. Seine wichtigste Erzählung ist seit ein paar Jahren das Langzeitprojekt, alle 555 Sonaten von Domenico Scarlatti einzuspielen.

Dabei will er nicht nur Scarlattis Musik, sondern auch sein Leben verstehen. Gar nicht so einfach bei einem, über den es wenig Aufzeichnungen gibt. Auch mit Franz Schubert kann man sich stellvertretend mit immer neuen Fragen ein Leben lang beschäftigen, sagt Christoph Ullrich. Wie hat Schubert damals gespielt? Wie würde er wollen, dass es heute klingt?

Aber es gibt noch viel mehr Übungen für Herz und Hirn, für die man schwarze und weiße Tasten, mindestens zehn Finger und ein paar schwarze Punkte braucht. Christoph Ullrich macht Musiktheater mit Kindern, Bühnenprogramme, in denen zu den schwarzen Punkten auch noch Buchstaben dazukommen, Geschichten und Gedichte. Er liebt Lieder, auch in seinen Programmen, und im Gesang der Vögel findet er immer wieder fliegende Klanggedanken. Der Alchemie des Klangs kommt er immer ein bisschen näher, nicht nur am Flügel, sondern auch heute im "hr2-Doppelkopf".

Gastgeberin: Daniella Baumeister

Musiktitel dieser Sendung:
- Domenico Scarlatti: Sonate K180 / Christoph Ullrich
- Robert Schumann: Liederkreis op.39 / Bryan Terfel/Malcolm Martineau
- Johann Sebastian Bach: Kantate Man singet mit Freude vom Sieg / Robin Tyson/James Gilchrist, Monteverdi Choir, The English Baroque
Soloists, Ltg.: John Eliot Gardiner
- Franz Schubert: Klaviersonate A-Dur op. 559, 3. Satz (Scherzo) / Christoph Ullrich

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 22.09.2021, 12:05 Uhr.