Hanns Zischler ist ein Multitalent. Nicht nur Schauspieler ist er, sondern auch Autor, Fotograf, Regisseur, Sammler. Dieses Jahr hat er seinen ersten Roman veröffentlicht: "Der zerrissene Brief". Darin geht es um Weltreisen und verschollene Erinnerungen. Vom Aufbruch aus einem fränkischen Dorf nach New York. Von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte und der Kalkulierbarkeit des Glücks.

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War es Fernweh, war es Liebesleichtsinn, der die 17jährige Pauline 1899 aus ihrem fränkischen Dorf ins ferne New York ausbüxen ließ? Was hat damals den welterfahrenen Max dazu getrieben, ihr die enorme Summe von 2000 Goldmark zu geben und sie für zwei Jahre allein in die Ferne zu schicken? Woher nahm er die Gewissheit, dass Pauline nach ihrer Rückkehr genau die richtige Gefährtin für seine ausgedehnten Reisen sein würde, die beide dann tatsächlich um die halbe Welt unternahmen – durchs Innere Asiens bis zur Halbinsel Kamtschatka? Sechzig Jahre später wird Pauline von der liebesenttäuschten jungen Elsa besucht, die sie in der Nachkriegszeit als Kind "per Brief adoptiert" hat. Gemeinsam durchwandern die beiden Frauen im Gespräch das tiefe Labyrinth von Paulines bis dahin verschollenen Lebensaugenblicken. Sie weben die bunten Fäden einer verloren geglaubten Zeit mit Hilfe von Briefen, Fotos, Notizen und Gedichten zu einem Stoff, dessen Muster erst nach und nach erkennbar wird.

Für Hanns Zischler war der erste Roman ein Abenteuer. Die Rahmenhandlung beruht auf wahren Begebenheiten. Doch dann machten sich seine Figuren auf den Weg, sie führten ein Eigenleben. "Ich war selbst immer wieder überrascht, welche Wendungen die Geschichte nahm", sagt der Allround-Künstler.

Gastgeberin: Karin Röder

Musiktitel dieser Sendung:
- Jefferson Airplane, Grace Slick (voc.): White Rabbit
- Bob Dylan: Hurricane
- SWR Vokalensemble Stuttgart, Ltg. Rupert Huber: Christian Wolff in Cambridge (für gemischten Chor a cappella) (Morton Feldman)

Weitere Informationen

Buchhinweis:

Hanns Zischler: "Der zerrissene Brief", Galiani 2020, Preis: 20,- Euro

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Wiederholung eines Gesprächs vom Juli dieses Jahres.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 24.11.2020, 12:05 Uhr.

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