Demokratie – eine deutsche Affäre? Hedwig Richter gibt ihrem Buch diesen Titel – jedoch ohne Fragezeichen. Damit stellt sie bisherige Lehrmeinungen in Frage, nach denen die Demokratie, die "Herrschaft des Volkes", mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 ihren Siegeszug begann.

Die Münchner Historikerin sieht die Wurzeln der modernen Demokratie in den Ideen der Aufklärung. Seit dem 18. Jahrhundert, so Richter, gewinnen Gleichheit, Forderungen nach verfasster Bändigung von Macht, das Recht auch auf körperliche Unversehrtheit an Bedeutung. Von kleinen, stadtstaatlichen Einheiten greifen diese Ideen im 19. Jahrhundert auf größere Territorien über; es bilden sich Bildungs- und Besitz-Eliten, die die Demokratisierung, das heißt: die Möglichkeit zur Mitsprache aller Bürger in einem Staat vorantreiben. Nach dem ersten Weltkrieg dürfen auch Frauen an diesem Prozess teilhaben – einem heute internationalen Prozess, der ständig Veränderungen unterworfen ist, auch aus Fehlern seine Lehren ziehen muss und noch lange nicht zu Ende geht.

Hedwig Richter erzählt im "hr2-Doppelkopf" anschaulich und lebhaft über ihre Forschungsergebnisse – eine Perspektive, die aktuelle Nackenschläge für die demokratischen Idee mit Optimismus aufwiegt.

Gastgeber: Andreas Bomba

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Buchhinweis:

Hedwig Richter: "Demokratie. Eine deutsche Affäre. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart", C.H.Beck 2020, Preis: 26,95 Euro

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Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 04.02.2021, 12:05 Uhr.

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