Martin Walser gilt als ein streitbarer wie verletzlicher Schriftsteller. Doch im Alter scheint er versöhnlicher geworden zu sein. Am 24. März wird der Autor 95 Jahre alt. Und er schreibt immer noch. Vergangenes Jahr erst erschien "Sprachlaub oder: Wahr ist, was schön ist", eine Sammlung von Texten , die seine Tochter Alissa Walser mit Aquarellen illustriert hat.

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"Die Welt ist nicht auszuhalten ohne Literatur oder Religion." | Martin Walser über sein Leben und Arbeiten

Martin Walser
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Im "hr2-Doppelkopf"-Gespräch, das Ruthard Stäblein vor fünf Jahren zu seinem 90. Geburtstag führte, spricht Martin Walser über sein Leben und Arbeiten. Er erinnert an seinen Vater, der als Wirt und Vertreter scheiterte, und an seine Mutter, die den Laden zusammenhielt.

Im Rückblick erzählt er von seiner Zeit als Radioreporter, als er über das Schicksal von Flüchtlingen in einem Stuttgarter Bunker berichtete, wie er dann in seinen ersten Romanen das Leben einfacher Kleinbürger aufgegriffen habe. Er schildert, dass seine Figuren - wie er selbst - zwischen Erwerbsdrang und Schreibzwang, hin- und hergerissen sind.

Auch greift Walser noch einmal die Polemik mit Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki auf, seinem "bösesten und schärfsten" Feind, sowie die Debatte um seine umstrittene Rede in der Frankfurter Paulskirche, als er von der "Instrumentalisierung von Auschwitz" sprach.

Gastgeber: Ruthard Stäblein

Musikinhalt dieser Sendung:
Robert Schumann: Wer nie sein Brot mit Tränen aß / Christian Gerhaher, Gerold Huber (Klavier)
Franz Schubert: Lindenbaum / Christian Gerhaher, Gerold Huber(Klavier)
Johann Sebastian Bach: Cello-Suiten, Nr. 1 in G-Dur, Prélude + Allemande / Pau Casals

Wiederholung eines Gesprächs von 2017

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 24.03.2022, 12:05 Uhr.