"Bücher riechen gut", sagt Reinhold Neven Du Mont, "Zeitungen nicht. Mit Büchern umgeben sich die Menschen, aber ich kenne niemanden, der gerne mit Zeitungsstapeln lebt."

Befreit vom väterlichen Erbe, der neun Jahre ältere Bruder Alfred Neven Du Mont übernahm den väterlichen Zeitungsverlag, machte Reinhold Neven Du Mont 1956 Abitur und studierte, was alle Schöngeister damals studierten, Soziologie, Geschichte und Literaturwissenschaft und wandte sich dann dem Verlag seines Schwiegervaters, Kiepenheuer & Witsch, zu. 

1963 wurde Reinhold Neven DuMont Assistent des Verlegers Dr. Joseph Caspar Witsch, nach dessen Tod er 1967 Kiepenheuer & Witsch übernahm. 1969 erwarb er ihn. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen damals die Klassiker von Joseph Roth, Saul Bellow, Heinrich Böll und Manès Sperber.

Der junge Verleger Reinhold Neven DuMont öffnete das Programm mit sozialkritischen Themen das Programm: 1969 erschienen die ersten Arbeiten von Günter Wallraff, Gabriel García Márquez‘ "Hundert Jahre Einsamkeit" brachte KiWi 1970 heraus, der streitbare Charles Bukowski kam in den Verlag, William Burroughs und Nathalie Sarraute. In den 1980er Jahren, in denen die Umsätze der Hardcover-Verlage stagnierten und sich der Konkurrenzkampf verschärfte, folgten weitere junge Autoren, wie Don DeLillo, John le Carré, Uwe Timm, Katja Lange-Müller und Herbert Rosendorfer, in den 1990ern Peter Härtling, Alice Schwarzer, E. L. Doctorow, und mit Maxim Biller, Michael Kumpfmüller und Benjamin Lebert eine weitere Öffnung für junge Literaten.

Mit dem Einstieg der Holtzbrinck-Gruppe sicherte der Verleger das Weiterbestehen seines Verlages durch den Stuttgarter Großkonzern. Reinhold Neven Du Mont zog sich aus dem Verlagsgeschäft zurück und wandte sich kulturellen Institutionen zu. Wie hatte er einst gesagt: "Die gelesene Zeitung schmeißt man weg, ein Buch kann man nicht wegwerfen." Heute wird der streitbare Verleger 85 Jahre alt.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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Buchhinweis:

Reinhold Neven Du Mont: "Mit Büchern und Autoren. Mein Leben als Verleger", Kiepenheuer & Witsch 2016, Preis: 2016

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Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Wiederholung eines Gesprächs von 2009.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 12.11.2021, 12:05 Uhr.