Der Historiker Stephan Malinowski hat unlängst eine umfassende Untersuchung über "Die Hohenzollern und die Nazis" vorgelegt. Die bewegte deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive des Adels zu erzählen, findet der seit zehn Jahren in Schottland lebende und lehrende Historiker ungemein faszinierend.

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"Das Gedruckte ist nicht unbedingt das Wahre" | Historiker Stephan Malinowski über die Definition von "erheblich"

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"Erheblich". Um dieses Wort kreist ein seit 2019 scharf geführter Streit deutscher Historiker mit Juristen, aber auch in der Zunft untereinander. Es geht um den Anspruch des Hauses Hohenzollern, einige von der sowjetischen Besatzung nach dem zweiten Weltkrieg enteignete Vermögensgegenstände zu restituieren. Ein Passus im Gesetz, das die Restitution regelt, verwehrt jedoch den Anspruch im Falle von Personen, die der Etablierung des nationalsozialistischen Regimes "erheblichen Vorschub" geleistet haben. Was aber ist "erheblich"? Gilt für Historiker und Juristen die gleiche Definition?

Schon in seiner Dissertation hatte sich Stephan Malinowski mit dem sozialen Niedergang und der politischen Radikalisierung des deutschen Adels nach dem ersten Weltkrieg beschäftigt. Auch, weil einzelne Personen aus dieser kleinen, einflussreichen und bisweilen aus der Zeit gefallenen gesellschaftlichen Gruppe sich zum Beispiel im Widerstand gegen den Nationalsozialismus hervortaten. Dass historische Forschung nun allerdings mit juristischen Mitteln bekämpft wurde und wird, finden nicht nur Historiker empörend. Insgesamt hat die Freiheit der Wissenschaft gerade keinen leichten Stand. Sie ist in Gefahr. Erheblich!

Gastgeber: Andreas Bomba

Musiktitel dieser Sendung:
- Simon & Garfunkel: Scarborough Fair (live)
- George Brassens: Supplique pour être enterré à la plage de Sète
- Paolo Conte: Via Con Me
- Amy Winehouse: Back To Black

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Buchhinweis:

Stephan Malinowski: "Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration", Propyläen Verlag 2021, Preis: 35,- Euro

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Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 22.12.2021, 12:05 Uhr.