Geschichte wird lebendig, wenn sie etwas von den Menschen erzählt, die sie erleben. Nicht von Jahreszahlen, Verträgen, Wahlergebnissen, militärischen Manövern oder politischen Strategien, sondern von Sorgen und Nöten, von Hoffnungen und Ängsten, von Gerüchen und Geräuschen, vom Alltag, vom Reisen, vom Essen und Feiern, vom Glauben, von der Liebe, von Ehe und Familie. Der Journalist und Historiker Tillmann Bendikowski hat es sich zur Aufgabe gemacht, deutsche Geschichte auf genau diese Art zu vermitteln.

In seinen Büchern erleben seine Leserinnen und Leser beispielsweise den Alltag des Jahres 1939, der uns in seinen schwarzweißen Bildern weit entfernt scheint, aber viel mehr mit uns zu tun hat als wir glauben. Tillmann Bendikowski lässt uns mit einer Handvoll ganz unterschiedlicher Menschen das Jahr 1914 miterleben – und entzaubert dabei so manchen später entstandenen Mythos. Oder er nimmt uns mit in die Lebenswelt des Jahres 1164, die uns fern und fremd bleiben mag, aber die wir vielleicht besser verstehen, wenn wir in das Alltagsleben eintauchen können.

Dagmar Fulle spricht mit Tillmann Bendikowski über seine Arbeit zwischen Recherche und Vorstellungskraft, über Geschichtsunterricht in der Schule, den besserwisserischen Rückblick auf unsere Vorfahren, die besondere Faszination des Mittelalters und die Frage, warum er das Schreiben der Möglichkeit einer Zeitreise immer vorziehen würde.

Gastgeberin: Dagmar Fulle

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 02.06.2022, 12:05 Uhr.