Ursula Gräfe hat sich einen Namen vor allem mit den Übertragungen aus dem Japanischen gemacht – ins Deutsche hat sie zum Beispiel die Bücher des japanischen Starautors Haruki Murakami übersetzt– und weil sie dessen Ton so gut trifft, heißt es, sie sei verantwortlich für den Klang, den die Texte von Murakami im Deutschen haben: den Murakami Sound.

Und sie äußert sich zur aktuellen Debatte, ob es überhaupt möglich ist, angemessen zu übersetzen, wenn man einer ganz anderen Gesellschaftsschicht, einer anderen Hautfarbe oder ganz einfach einem anderen Geschlecht angehört. Angefacht wurde diese Debatte, weil die junge schwarze Lyrikerin Amanda Gorman nicht wollte, dass ihre Gedichte von Menschen weißer Hautfarbe übersetzt werden. Amanda Gorman war die Dichterin, die bei der Inauguration des US-Präsidenten Joe Biden ihr Gedicht "The Hill We Climb" vorgetragen hatte. Gewiss ist: Ursula Gräfe ist weder Japanerin, noch ist sie ein Mann. Sie bleibt da ganz cool: ein Übersetzer muss grundsätzlich alles übersetzen können.

Gastgeberin: Ursula May

Musiktitel dieser Sendung:
- José Carreras: Kawa no Nagare no you ni
- Southern All Stars: Japanisches Lied (Titel unbekannt)
- Emerson, Lake & Palmer: Knife Edge
- Django Reinhardt: Nuages

Hier finden Sie den "Doppelkopf" als Podcast.

Wiederholung eines Gesprächs vom Juni dieses Jahres.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 03.01.2022, 12:05 Uhr.