Wilhelm von Boddien wurde sehr viele Jahre leidenschaftlich von einer Idee angetrieben: Dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. 1992 gründete er, zusammen mit hochrangigen Gleichgesinnten, den Förderverein Berliner Schloss e.V. und sammelte unermüdlich Geld. 105 Millionen sollten es sein, 110 Millionen Spenden kamen am Ende zusammen.

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Schon seit seiner Jugend trieb den in Hamburg lebenden Kaufmann die Idee um, das Berliner Schloss wieder zu errichten. Dazu musste er jedoch die Menschen von seiner Idee überzeugen. Was tun? Die Anregung dazu fand er in Paris: Der Louvre wurde in den 1990er Jahren saniert. Vor das Gerüst hatten die Betreiber eine riesige bemalte Leinwand spannen lassen. Sie zeigte die Fassade des alten Pariser Stadtschlosses, in dem das Museum residiert. Bezahlt hatte sie ein Sponsor. Wilhelm von Boddien sah dies und blitzartig wusste er, was zu tun war: in die Flucht der Prachtstraße Unter den Linden, dort auf dem Marx-Engels-Platz, wo der asbestverseuchte Palast der Republik auf seinen Abbruch wartete, ließ er im Jahre 1993 ein Gerüst bauen mit der Fassade des Schlosses drauf.

Damit holte er das alte Stadtschloss wieder aus der Vergessenheit zurück. Es zu rekonstruieren wurde damit zur Idee von tatkräftigen Bürgern und nicht der Politik. Was aber sollte in diesem Schloss stattfinden? Wozu würde es gebraucht? Zehn Jahre später stimmte auch die Politik zu – und kreierte, noch ohne konkrete Vorstellung, das Humboldt Forum.

Viele Jahre und unzählige Diskussionen später eröffnete das Humboldt Forum im Berliner Schloss nun endlich mit einer Reihe von Feiern. Im Juli konnte das Forum in Teilen vom Publikum betreten werden, kommende Woche, ab dem 22. September, werden dann endlich auch jene Kunstsammlungen zu sehen sein, die den größten Teil des Gebäudes ausmachen werden und die programmatisch am Anfang der Idee des Humboldt Forums standen: die außereuropäischen Sammlungen der früheren Museen in Dahlem.

2019 war Wilhelm von Boddien zu Gast im "hr2-Doppelkopf" und erläuterte seine Ideen, seine Motivation, sein Vorgehen und warum er den Wiederaufbau kriegszerstörter Denkmäler für sinnvoll erachtet.

Gastgeber: Andreas Bomba

Musiktitel dieser Sendung:
- W. A. Mozart: Klavierkonzert Nr. 21, Satz 2 / English Chamber Orchestra, Daniel Barenboim (Ausschnitt)
- Fredy Sieg: Das Lied von der Krummen Lanke
- W. A. Mozart: Sinfonia Concertante KV 364, Satz 2 / Scottish Chamber Orchestra, Renaud Capuçon, Antoine Tamestit (Ausschnitt)
- Michael Jackson: Thriller

Wiederholung eines Gesprächs von 2019.

Sendung: hr2-kultur, "Doppelkopf", 16.09.2021, 12:05 Uhr.