Emojis

Unsere Kommunikationsformen haben sich verändert. Was früher privat war wird heute mit vielen geteilt, erzeugt Wellen der Zustimmung und der Ablehnung.

Die Soziologin Elke Wagner hat untersucht, wie die Gefühle bei den Nutzer*innen sozialer Netzwerke angesprochen werden und wie sich das veränderte Verhältnis zu Öffentlichkeit und Privatheit auf unsere Gesellschaft auswirkt. Emotionen, Pöbeleien, Shitstorms - darüber schreibt sie in ihrem Buch "Intimisierte Öffentlichkeiten".

hr2-kultur: Ist denn von der Anfangseuphorie noch etwas geblieben, die das Internet einst als großen Demokratiemotor gefeiert hat, das jeden mitreden lässt und jeden zum Autor macht?

Elke Wagner: Einerseits haben wir eine Entwicklung des Internetdiskurses hin zu einer eher pessimistischeren Perspektivierung. Das liegt vor allen Dingen an der Form von "Hatespeech" - also Hasskommentation im Netz - und einer größeren ökonomischen Strukturierung des Netzes. Aber wie man gerade jetzt sieht, Stichwort Digitalisierung von Schulunterricht, ist da doch wieder eine leicht euphorische Stimmung zu beobachten. Also zumindest was Kontaktaufnahmen im Ausnahmezustand (...) betrifft.

Intimisierte Öffentlichkeiten, so der Titel Ihres Buches, was meinen Sie damit?

Wagner: Also mit ging es darum, einerseits die Beobachtung aufzunehmen, das wir, wenn wir uns im Netz bewegen, was algorithmisiert ist, ökonomisch strukturiert ist, uns in Filterblasen bewegen.

Anderseits denke ich aber, das wir durchaus noch mit Öffentlichkeiten noch zu tun haben. Also, dass es nicht so geschlossen ist, wie man vielleicht annehmen mag, was man, sobald man eine Tageszeitung abonniert hat, auf Facebook ja sehen kann; dass man mit Fremden in Kontakt tritt. Phänomene wie "Shitstorm" werden ja gar nicht anders erklärbar.

Ein "Shitstorm" im Netz erreicht auch die analoge Welt, nämlich, wenn es die Rechtsprechung erreicht. Klarnamen der "Shitstorm-Verantwortlichen" dürfen jetzt herausgegeben werden. Könnte das eine Wende bringen?

Wagner: Die Politik hat sich dazu entschlossen, angesichts der Entwicklungen, auf verschärfte Maßnahmen zu setzen. Also Gesetzesverschärfungen, Ausweitung von Vorratsdatenspeicherung, enge Zusammenarbeit mit Social-Media-Anbietern. Ich bin mir nicht so sicher, ob es so einfach ist, die umzusetzen.

In der Vergangenheit sind Personen fälschlicherweise aufgegriffen worden, als "hater", die das aber gar nicht so gemeint hatten. Facebook hat die Kommentare gelöscht und das wieder zurückgenommen, weil das Definitionsproblem bestand: Wie war das eigentlich gemeint? Ich bin mir nicht sicher, ob Gesetzesverschärfungen tatsächlich so greifen, wie man sich das verspricht.

Unter dem Motto "Erregungen" wollte das 10. Literaturfestival FrankfurtRheinMain literaTurm die zunehmende Gereiztheit gesellschaftlicher Debatten in den Fokus stellen. Gespräche mit ausgewählten Festival-Mitwirkenden hören Sie vom 23. bis 27. März im hr2-Kulturfrühstück und hr2-Kulturcafé und können Sie online hören.

Die Fragen stellte hr2-Moderatorin Imke Turner.

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 26.03.2020, 7:30 Uhr

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