Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Die Ouvertüre entsetzlich schief - dieses Possenhafte gibt die Richtung vor!"

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden

Rossinis Meisterwerk als gelungene Posse mit Seitenhieben auf den Nachbarn Mainz - Wiesbaden wagt sich mit einer der ersten Opernpremiere in Hessen aus der Corona-Deckung - wie hat sich das angefühlt?

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden

Intendant Uwe Eric Laufenberg hätte gerne vor 700 Zuschauern spielen lassen, aber die strengen Auflagen in Wiesbaden erlauben nur 200 Personen maximal für das Große Haus. Finanziell lohnt sich das nicht, aber für die Zuhörer, die dagewesen sind, hat es sich gelohnt: Endlich mal wieder Oper! Und dann noch eine sehr schöne, humorvolle Inszenierung.

Sicherheitsabstand auch auf der Bühne und im Orchestergraben?

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden

Bei Rossini ist das gut möglich, es reichen rund 25 Musikerinnen und Musiker, Chor und Solisten singen auf der Bühne ohne Körperkontakt, also kein Wange-an-Wange,  keine Handschläge, keiner wird am Kragen gepackt. Am Ende hat man gar nicht den Eindruck gehabt, dass alles auf Abstand inszeniert ist. Und selbst die Akteure auf der Bühne haben das beim Schlussapplaus vergessen, da ist beim Verbeugen so manche Hand zum Nachbarn ausgestreckt worden...vergebens!

Wie gelingt Tilo Nest sein Debüt als Opernregisseur?

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden

Es gelingt auf jeden Fall: Er kommt vom Theater, vom Film, vom Fernsehen und spielt die Schauspielerkarte als Trumpf aus: Gerade beim körperlich kontaktlosen Spiel sind mimischer und gestischer Ausdruck noch wichtiger, da hat Tilo Nest nicht nur die Sing- sondern auch die Spielfreude des Ensembles genutzt - und wirklich witzige Regieeinfälle gehabt.

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden



Bei der Ouvertüre sitzt das Orchester teils auf der Bühne, teils auf dem hochgefahrenen Orchestergraben. Figaro tritt schon mal als Hausmeister im grauen Kittel auf, Dirigent Konrad Junghänel steigt vom Parkett aus in den Orchestergraben ein, wie in ein offenes Cabrio, dessen Tür klemmt. Und dann klingen die ersten Akkorde der Ouvertüre entsetzlich schief, weil die Noten falsch rum auf den Pulten liegen! Und dieser Humor, dieses Possenhafte, das ist dann auch die Richtung, die vorgegeben ist.

Fazit

"Barbier" am Staatstheater Wiesbaden

Die Geschichte vom alten Doktor Bartolo, der sein Mündel, die junge und hübsche Rosina, heiraten möchte, dabei von Figaro und vom Grafen Almaviva ausgetrickst wird - diese Komödie wird nicht großartig auf eine andere Deutungsebene gehoben,  sondern Musik und Handlung sprechen im Prinzip für sich. Und wenn man das gut spielt und sing und einige Gags auf Lager hat, dann reicht das für einen kurzweiligen Abend völlig aus!

Der Barbier von Sevilla
Il barbiere di Siviglia
von Gioachino Rossini

Staatstheater Wiesbaden
weitere Aufführungen:
11., 13., 17., 19., 26. September 2020

Sendung: hr2-kultur, 7.9.2020

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit