Frida Kahlo, Selbstbildnis

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt eine Überblicksausstellung zum Surrealismus. Das Besondere: Es ist nur Kunst von Künstlerinnen zu sehen. Die Erwartungen sind groß. Werden sie getroffen?

Es ist eine Ausstellung, die Frankfurt wirklich gut steht und die typisch ist für die Schirn. Zu einem Thema, von dem ich dachte, es sei alles gesagt, gezeigt und bekannt. Doch es werden vollkommen neue Positionen, Blickwinkel und Künstlerinnen präsentiert, wissenschaftlich auf höchstem Niveau, überraschend, wirklich neu und bereichernd.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Fantastische Frauen": Ein neuer Blick auf den Surrealismus

Leonora Carrington, Selbstbildnis in der Auberge du Cheval d'Aube
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Die Ausstellung zeigt Kunst, die von Frauen gemacht wurde und beleuchtet damit einen Aspekt der Kunstgeschichte, der lange im Dunkeln geblieben war – die Rezeption, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, hat die Beteiligung von Frauen an der Moderne fast vollständig unterschlagen und aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen.

Die Umkehrung der klassischen Perspektive

Alle 34 präsentierten Surrealistinnen, die aus 11 Ländern stammen, waren unmittelbarer Teil der Surrealistischen Bewegung, haben Breton persönlich gekannt und mit den Surrealisten gemeinsam ausgestellt, vor allem in den 30er und 40er Jahren in Paris und New York.

Leonor Fini, Erdgottheit, die den Schlaf eines Jünglings bewacht

Alle von Ingrid Pfeiffer in der Schirn vorgestellten Künstlerinnen waren bereits fertig ausgebildet, als sie sich dem Kreis der Surrealisten anschlossen – sie waren keine Mädchen, keine Musen. Traumszenen gibt es ganz vergleichbare, einige arbeiten mit Assemblagen, Collagen, viele nutzen die damals neuesten Medien der Fotografie und des Films.

Auch die Sexualität und Erotik ist ein wichtiges Thema. Sehr starke, selbstbewusste Positionen. Da wird ein männlicher Akt mit geöffneten Beinen gezeigt, ein sehr schöner junger Mann, der sich den weiblichen, begehrenden Blick darbietet. Damit kehrt die Künstlerin, in diesem Fall Leonore Fini, die klassische Perspektive einfach um.

Beeindruckend ist aber vor allem die Breite der künstlerischen Ansätze, die große Qualität der Arbeiten, die Eigenständigkeit der Positionen. Ich glaube, diese Ausstellung verändert den Blick auf den Surrealismus grundlegend. Es wird in Zukunft nicht länger möglich sein, eine Überblicksausstellung zu zeigen, ohne weibliche Positionen zu berücksichtigen, was im 20. Jahrhundert leider üblich war. Aber die Frauen in der Schirn sind zu stark.

Weitere Informationen

"Fantastische Frauen" bis 24. Mai

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg, 60311 Frankfurt
Di, Fr-So 10-19 Uhr, Mi, Do 10-22 Uhr
Mehr Informationen unter www.schirn.de

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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 13.2.20, 7:30 Uhr

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