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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Robert- Gernhardt -Preisträgerin Fatma Aydemir über ihr Romanprojekt "Dschinn"

Fatma Aydemir

Die Journalistin und Autorin Fatma Bahar Aydemir erhält den Robert-Gernhardt Preis, mit dem noch nicht vollendete Romanprojekte ausgezeichnet werden. Ihr Roman "Dschinns" widmet sich der Geschichte eines Gastarbeiters.

Die Kinder, Enkel und jetzt schon Urenkel der Arbeitsmigrant*innen aus der Türkei, die haben sich nie so richtig assimiliert wie zum Beispiel die Spanier. Ist das Ihr Appell, dass wir uns besser kennenlernen müssen?

Fatma Aydemir: Die türkische Community hat schon sehr früh eigene Strukturen gehabt. Wenn wir jetzt aber auf das Thema Assimilation und Integration kommen, dann ist ein ganz wichtiger Punkt auch, dass es von anderer Seite nicht so viele Bestrebungen gab, die türkische oder auch muslimische Mirgant*innen zu integrieren und als Teil dieser Gesellschaft zu sehen.

Diese Distanz, die kommt von beiden Seiten; und wenn man die auflösen will – also zu fordern, sich jetzt besser kennenzulernen, dafür ist es ein bisschen zu spät. Meine Generation hat keine Probleme mit der deutschen Sprache. Daran hakt es jetzt nicht. Vielleicht sollten wir uns eher angucken, was für Probleme wir in der Vergangenheit nicht richtig behandelt haben.

Um es jetzt zum Beispiel mit syrischen Flüchtlingen besser zu machen?

Fatma Aydemir: Auf jeden Fall, um zu sehen, wie wir jetzt besser mit Migrant*innen klarkommen. Aber Rassismus ist jetzt gerade ein großes Thema und betrifft nicht nur die neu ankommenden Migrant*innen. Die haben gerade viel größere Probleme. Aber was ich meine ist, dass wir, die dritte Generation nach der Arbeitsmigration, haben immer noch mit strukturellem Rassismus zu kämpfen. Das zeigt, dass viele Themen in der Vergangenheit nicht gut genug beleuchtet wurden.

Bei der Recherche für die Geschichte, die ich in meinem Buch erzähle, die in den Neunziger Jahren spielt, da habe ich gemerkt, dass es da so viele Parallelen zu heute gibt. Wenn wir uns allein die rassistischen Anschläge von Mörlen und Solingen anschauen, die sich ja heute mit den Taten von Halle oder Hanau wiederholen, ist es total wichtig zu schauen: Wie gehen wir mit solchen Dingen um? Und wie schaffen wir es solche Taten zu verhindern? Und ein Bewusstsein in der Gesellschaft dafür zu schaffen, dass so etwas immer noch möglich ist und nicht mehr möglich sein sollte.

Die Fragen stellte Alf Haubitz.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 12.8.20, 18:10 Uhr

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