Was Krieg für die Menschen bedeutet, das zeigt exemplarisch der 30-jährige Krieg. Am 23. Mai 1618 wurde er durch den Prager Fenstersturz eingeläutet. Die Statthalter des katholischen Kaisers bekamen den Zorn des protestantischen Adels zu spüren, der in Böhmen seine Religionsfreiheit bedroht sah. Der Konflikt entstand aus dem mit Machtinteressen verquickten Konfessionsstreit.

Die katholisch kaiserliche Seite unter Wallenstein konnte zunächst das Kriegsglück für sich entscheiden, bis 1630 der Schwedenkönig Gustav Adolph eingriff. Die unendlichen Leiden der Bevölkerung durch die Kriegswirren wurden von dem zeitgenössischen Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in drastischen Worten beschrieben, der im Jahr 1621 oder 1622, also vor etwa 400 Jahren, geboren wurde.

Zwei Jahre nach dem Friedensschluss von Münster 1648, bei dem alle europäischen Mächte und Reichsstände am Tisch saßen, lebten in Deutschland nur noch 10 bis 13 Millionen Menschen. In manchen Regionen hatte nur ein Viertel der ursprünglichen Bewohner den Krieg überlebt.

hr 2018

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 13.03.2022, 18:04 Uhr.