Zu Beginn der Elektrifizierung wurden Moderne und Strom gleichgesetzt. Strom hat seitdem die menschliche Zivilisation grundlegend verändert. Heute liegt die Hoffnung auf grüner Elektrizität, mit der Industrie, Verkehr und Wohnen klimaneutral werden. Zwischen 1880 und 1920 begann die Elektrizität, zunächst in den Großstädten, später auch im ländlichen Raum, die menschliche Zivilisation zu verändern. Die Pariser Weltausstellung 1900 prunkte mit einem über und über illuminierten "Palast der Elektrizität" und der Scientific American schrieb im selben Jahr: "Das Publikum ist der Auffassung, wenn es irgendetwas unter der Sonne gibt, das Elektrizität nicht zu tun vermag, ist es nicht wert, überhaupt getan zu werden." Elektrizität und Moderne wurden gleichgesetzt: Sie ermöglichte Kino und Varieté und die Ausweitung der Arbeit, da Fabrikanlagen nun durchgehend beleuchtet waren.

"Gibt es irgendwas, was unser Leben mehr verändert hat als Strom?", fragt Hanswalter Dobbelmann. Er ist Leiter des Elektrizitätsmuseums im Umspannwerk Recklinghausen und weiß, dass die Entwicklung einer modernen Gesellschaft ohne Elektrizität nicht möglich ist. "Deutschland verbraucht ungefähr 560 Terrawattstunden Strom pro Jahr", sagt der grüne Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck der Ampelkoalition. Der Bedarf wird steigen, wenn Industrie, Verkehr und Wohnen perspektivisch weitgehend ohne fossile Energien auskommen.

So erzählt sich die Geschichte der Elektrifizierung von einem sagenhaften, Blitze schleudernden Gott bis in die Zeit der Fotovoltaik.

Deutschlandfunk Kultur 2022

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 02.10.2022, 18:04 Uhr.