Nichts scheint für den modernen, aufgeklärten Menschen selbstverständlicher und nichts erweist sich in Wahrheit als schwieriger, als Verantwortung für sich selbst und für das eigene Tun zu übernehmen. Wie bedenkenlos – und oftmals, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu werden – geben wir die Verantwortung an Dritte ab. An Institutionen, Politik und Staat, an Experten, Meinungsmacher und die neuesten Digitaltechnologien.

"Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen, andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen", monierte schon Immanuel Kant in seiner berühmten Schrift "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" Schließlich ist es "so bequem, unmündig zu sein". An Ausflüchten, Vorwänden, Ausreden hat es noch nie gemangelt, den Schritt in Mündigkeit und Selbstverantwortung lieber nicht zu wagen.

Ein solcher Schritt ist mühsam. Denn es erfordert Mut, selbst zu denken, sowie Wagemut, aus seiner sog. "Komfortzone" herauszukommen – im wahrsten Sinne also 'unbequem' zu werden – und selbst sein eigenes Leben in Angriff zu nehmen, zu gestalten oder auch Dinge zu verändern. "Du musst dein Leben ändern", lautet eine bekannte Gedichtzeile von Rainer Maria Rilke. Aber wie?

Das Feature möchte in Gesprächen mit Teilnehmern aus verschiedenen Bereichen dem nachgehen, weshalb Mündigkeit und Selbstverantwortung beim Einzelnen, aber auch im sozialen Miteinander so oft scheitern und wie Schritte dahin dennoch gelingen können.

hr 2019

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