Ach ja, die Schönheit. Muss sich ausgerechnet jetzt alles um Selbstoptimierung und Aussehen drehen, wo wir alt werden, unsere Haut knittrig ist, wir auf High-Heels ins Stolpern kommen und das Kleingedruckte nur mehr mit Brille lesen können? Es ist ein Elend, dass die klassischen Werte des Alters heute so wenig gefragt sind: Erfahrung, Weisheit, Geduld. Ältere Männer sind noch angesehen, selbst wenn sich die Haare lichten, ältere Frauen dagegen machen auf blond. Immer noch.

Einst versprach der Atemhauch einer Jungfrau, Jahresringe wegzupusten, heute sind es die Anti-Aging Propheten, die dem Alter die Stirn bieten - faltenfrei, versteht sich. Straffer Busen, lange Beine, knackiger Po, das Idealbild der Frau hierzulande - wer da nicht mithalten kann, der schaut wirklich alt aus. Hochglanzmagazine und die sozialen Medien befördern die Sucht nach der äußeren Vollkommenheit: Je jugendlicher und attraktiver, desto erfolgreicher, begehrter, beliebter, suggerieren sie. Und wir Frauen fallen darauf rein, obwohl wir es eigentlich besser wissen müssten.

Dass es dank wechselnder Moden manchmal auch Entlastung für uns gibt, soll hier nicht verschwiegen werden: Immerhin zwängen wir uns nicht mehr ins Korsett. Aber ein geruhsamer Lebensabend? Weit gefehlt.

Das Altern ist anstrengend. Die Welt hängt voller Spiegel.

Die Autorinnen surfen durch die Kulturgeschichte des Alterns zwischen schönem Schein und wahrem Sein.    

hr, DLR 2020

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 13.12.2020, 18:04 Uhr.

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