Vor 200 Jahren, am 28. November 1820, wurde Friedrich Engels in Wuppertal geboren. Den Fabrikantensohn verband eine lebenslange Freundschaft mit dem Philosophen und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx. Schon äußerlich waren sie ein ungleiches Paar: Friedrich Engels war groß, schlank, und sportlich, Karl Marx dagegen gedrungen, mit seltsam eckigen Bewegungen und einer Leidenschaft für Aufenthalte in Bibliotheken.

Aber auch sonst waren sie höchst gegensätzlich: Marx kam aus einer aufgeklärten, Engels aus einer frömmlerischen Familie. Marx bemühte sich zeitlebens um den Anschein gutbürgerlicher Lebensformen, während Engels sie als Zwang empfand und lange mit zwei Frauen gleichzeitig zusammenlebte.

Marx arbeitete chaotisch, und hinterließ bergeweise unfertige Manuskripte. Engels war ein elegant formulierender Journalist und Autor, der in kürzester Zeit klar strukturierte Bücher zu schreiben vermochte. Dennoch wurde ihre Freundschaft neben der von Goethe und Schiller zu der wohl bedeutendsten der deutschen Geistesgeschichte.

Das Feature geht der Frage nach, wie derart unterschiedliche Menschen über fast vier Jahrzehnte zu einer überaus produktiven Zusammenarbeit finden konnten. Er rekonstruiert ihr Verhältnis vor allem aus dem Briefwechsel der beiden Männer, in dem sie nahezu alles teilten: ihre politisch hochfliegenden Pläne ebenso wie ihre intimsten Geheimnisse, ihren Antisemitismus ebenso wie ihre Neigung, nahezu alle anderen Sozialisten lustvoll zu beleidigen und herabzuwürdigen. Es ist die Geschichte einer Männerfreundschaft des 19. Jahrhunderts, ohne die die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts einen anderen Verlauf genommen hätte.

hr2-kultur 2018

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 22.11.2020, 18:04 Uhr.

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