Das Osterei sei ein letztes Rudiment eines archaischen Fruchtbarkeitszaubers, der Weihnachtsbaum, das Relikt uralt-vorchristlicher Kulte - so glauben viele. Daran haben auch die Brüder Grimm ihren Anteil, die in ihrer "Deutschen Mythologie" die zur damaligen Zeit politisch nicht wenig brisante These von den heidnisch-germanischen Wurzeln des deutschen Brauchtums formulierten.

Obwohl dieses Erklärungsmodell zu erheblichen Teilen auf Projektion beruht, erlangte es in der deutschen Volkskunde bald eine nahezu kanonische Geltung. Die jüngere Kulturwissenschaft hat dagegen gezeigt, dass sich bei der genaueren Betrachtung christlicher Feste und Bräuche sehr verschiedene Einflüsse aus unterschiedlichsten Epochen entdecken lassen. Zwar gibt es unter ihnen auch antike, doch die wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder überformt, verändert und in andere Kontexte gestellt.

Keine Festtradition, kein Feierbrauch ist mit sich selbst identisch, vielmehr mussten alle, wie Kai Lückemeier in diesem Feature an einigen populären Beispielen zeigt, immer wieder aufs Neue wechselnden Mentalitäten und Lebensumständen angepasst werden.

hr 2013

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 05.04.2021, 18:04 Uhr.

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