Seit 20 Jahren ist die "Förderung der Prostitution" in Deutschland nicht mehr strafbar. Prostitution gilt nicht mehr als sittenwidrig, sondern als Gewerbe wie andere auch. Seitdem sind sehr viele neue Bordelle entstanden, an denen nicht nur die Rotlicht-Gangster, sondern auch bürgerliche Geschäftsleute als Investoren mitverdienen wollen. Und das obwohl fast alle Prostituierten unter Zwang stehen. Sie erleiden durch ihre Tätigkeit schwere körperliche und seelische Schäden.

Das Europaparlament forderte bereits 2014 in einer nicht verbindlichen Resolution, Freier EU-weit zu bestrafen, weil Prostitution die Menschenwürde der Prostituierten verletze. Genau diesen Weg ging Schweden mit seinem "Nordischen Modell". Dort ist "Sexkauf“ seit mehr als 20 Jahren verboten. Der Freier wird bestraft, die Prostituierte nicht - sie erhält staatliche Hilfe zum Ausstieg. Elf Länder, darunter Frankreich, haben heute ähnliche Gesetze. Deutschland gilt weiter als das "billige Bordell Europas“.

Immer mehr Menschen hierzulande wollen das ändern. Für oder gegen das "Nordische Modell" - die Fronten verlaufen heute quer durch Parteien, Kirchen und Verbände. Die Corona-Pandemie hat die Debatte verschärft. Die Bordelle mussten schließen, einige gingen in Konkurs. Sie sollen geschlossen bleiben, fordern die Prostitutionsgegner. Sie müssen sofort wieder öffnen, fordern die Rotlicht-Betreiber – oftmals kriminelle Organisationen, deren Lobby bis in die Politik reicht. Absehbar ist, dass die Prostitution in Deutschland neu geregelt wird - vielleicht nach dem "Nordischen Modell".

SR 2021

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 30.05.2021, 18:04 Uhr.

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