Verzicht ist nicht unbedingt eine erfreuliche Vokabel, und Verzichten ist in einer Wohlstandsgesellschaft nicht angesagt, wenn alles auf ökonomisches Wachstum ausgerichtet ist. Doch schon vor Jahrzehnten wurden dessen Grenzen aufgezeigt. Religiöse und philosophische Systeme haben Verzicht immer wieder neu definiert.

Sofern er nicht zwangsweise verordnet wird oder aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse geübt werden muss, beruht Verzicht auf einer freiwilligen Einschränkung, auf Rücksicht- und Anteilnahme, auf mündiger Besonnenheit.

Dabei sind in der Regel nicht dauerhafte Entbehrung oder gar selbstauferlegte Armut das Ziel, und nur selten extremer Rückzug oder äußerste Weltflucht. Jenseits bloßen Genusses und materiellen Wohlstands erscheint im Verzicht die Idee des Glücks, des glücklichen Lebens.

Dem sich zu nähern erfordert manchmal Entsagung, gelegentlich auch Askese, die Bereitschaft, Dinge aufzugeben, deren Wert zweifelhaft geworden ist. Eine neue Perspektive kann den Blick auf das lenken, was tatsächlich wichtig ist. Das mag für jeden etwas anderes sein. Deutungen und Angebote gibt auch die Dichtung, die Erfolg neben das Scheitern stellt und jedem einzelnen erlaubt, seinen eigenen Lebensentwurf zu prüfen, um ihm schließlich vertrauen zu können.

hr 2021

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 01.05.2021, 12:04 Uhr.

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