In seiner elementarsten Form richtet sich Vertrauen auf das Leben selbst. Doch auch jede Tätigkeit, jedes Gespräch erfordert das Sich-einlassen auf ein Gegenüber, in wechselseitiger Anerkennung und Achtung. Ohne eine gewisse Unsicherheit ist Vertrauen allerdings nicht zu haben.

So ist nicht selten von Vertrauensverlust und Vertrauenskrise die Rede. Vertrauen muss immer wieder neu hergestellt werden: "Vertrauen … / Lass kämpfen mich in deinem Spruch und Zeichen, / Und wieder wird das Leben mir zum Sieg." Theodor Fontanes Zuversicht gilt heute mehr denn je.

Vertrauen kann, wenn es bestätigt wird, zur Gewissheit führen. Indes beruhen Erkenntnis und Wissen primär auf der Richtigkeit empirischer und logischer Sätze. Unseren Alltag aber bestimmen subjektive Annahmen, Überzeugungen, Glaubensgrundsätze und lebenspraktische, moralische Gewissheiten, die nicht absolut sicher sind und dennoch Entscheidungen verlangen.

Oft bleiben Zweifel. Goethe hat von einer bescheidenen und "tätigen Skepsis" gesprochen, die Vorurteile in Frage stellt und "unablässig bemüht ist, sich selbst zu überwinden und durch geregelte Erfahrung zu einer Art von bedingter Zuverlässigkeit zu gelangen".

hr 2020

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 20.09.2020, 18:04 Uhr.

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