Salma wurde mit 16 in Syrien verheiratet. Nach der Flucht will sie in Deutschland einen Sprachkurs beginnen und eine Ausbildung. Doch ihr Mann verbietet es ihr. Im Streit wird er immer öfter gewalttätig, auch gegenüber den beiden Kindern. Salma beschließt, sich von ihm scheiden zu lassen.

Wie der 30-jährigen Salma geht es vielen geflüchteten Frauen. In Deutschland ergreifen sie die Chance, sich aus einer Ehe zu befreien, die ihnen die Luft zum Atmen nahm und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Auch Motahareh aus Afghanistan wollte nicht länger nur Mann und Kinder versorgen. Sie floh aus der gemeinsamen Wohnung, als ihr Mann mit einem Nudelholz auf sie los ging. Die 32-Jährige ließ sich scheiden, aber er bedroht sie weiter und entzieht ihr die Kinder. Ihre Eltern und Geschwister schämen sich für sie und wollen nichts mehr von ihr wissen. Motahareh hat einen neuen Freund. Sie hat das Kopftuch abgelegt und lässt sich zur Pflegefachkraft ausbilden.

Die 27-jährige Retta aus Syrien zog ihrem Mann fünf Jahre später nach Belgien hinterher. Doch er lebte dort im Elend, war launisch, brutal und gewalttätig. Sie verließ ihn und floh weiter nach Deutschland. Mit ihrem Sohn lebt sie in einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete und arbeitet dort in der medizinischen Versorgung von Coronaerkrankten. Am liebsten würde Retta ihr Architekturstudium wieder aufnehmen und ihren Master machen. Aber ob sie überhaupt in Deutschland bleiben kann, ist ungewiss.

DLF 2021

Sendung: hr2-kultur, "Feature", 27.02.2022, 18:04 Uhr.