Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das neue Urpferdchen kann sogar galoppieren

Urpferd 2.0.

In den etwa 48 Millionen Jahre alten Ölschiefern der Grube Messel bei Darmstadt schlummern Fossilien aus Urzeiten. Jetzt präsentiert das Hessische Landesmuseum Darmstadt das zweite Urpferdchen in einer neuen Ausstellung.

Kurator Torsten Wappler, erzählen Sie bitte von den Schätzen in der Grube Messel und der Rekonstruktion des Urpferds mit neuster Technik, dem Propalaeotherium?

Urpferdchen 2.0: Nach der Computertomografie des Fossils wurde das Skelett rekonstruiert

Genau, das ist der wissenschaftliche Name dieses kleinen Hengstes, den wir 2015 gefunden haben. Wie sieht er denn aus? Eigentlich wie ein kleines Pferd, es ist schließlich ein Vorfahre der Vorfahren der heutigen Pferde. Es ungefähr so groß wie ein mittelgroßer Hund. Wir konnten es seit 2017 im Ganzen untersuchen. Und das hat man mit neuesten Techniken gemacht: Mit Computertomografie, im Computer haben wir die Knochen isoliert - und wir haben dann jetzt aus den Knochen vom Fossil ein 3D-Modell erstellt. Und das hat man letztendlich dann auch noch zum Laufen gebracht.

Wie kommt man überhaupt dazu, so ein Tier vollständig zu finden?

Ja, das ist natürlich Glück. Wenn wir vorher wüssten, wo wir ein Fossil fänden, dann wäre die Sache relativ einfach! Die Schwierigkeit ist natürlich, solche Funde komplett zu finden, in einem Stück. Das gelingt meistens nicht. Aber Fossilfunde in der Grube Messel sind gar nicht so selten. Blätter und Insekten kommen relativ häufig vor, 70.000 Funde in einer Grabungssaison dokumentieren wir. Man findet eigentlich immer was!

Es gibt jetzt eine Computeranimation, ein 3-D-Objekt - ist es dann tatsächlich so, wie es ausgesehen hat? Wie sicher sind Sie und wieviel künstlerische Freiheit haben sie?

Dermaplastik des Urpferdchens 2.0: So könnte es ausgesehen haben (Computeranimation)

Das werden die Besucher in der Ausstellung sehen, dass wir eine ganze Menge an künstlerischer Freiheit haben, indem sie dann nämlich auf ein Urpferdchen-Modell verschiedene Fellmuster und -strukturen aufspielen können. Wir haben eine so genannte Dermoplastik. Und das ist natürlich eine Interpretation. Da kann man sich an heutigen Tieren, die in einem ehemaligen oder in einem vergleichbaren Lebensraum sind, orientieren. Wie sind die gemustert? Welche Farbstrukturen haben die und so weiter? Also, es ist jetzt nicht rosa, das kann ich schon mal verraten. Es sieht auch nicht aus wie ein kleines Pony, lassen sich einfach überraschen!

Damals war die Grube Messel ein See, ein ehemaliger Vulkankrater...

..., der dann nach dem Ausbruch mit Wasser voll gelaufen ist. Und da gab es eine relativ tiefen Maar, und am Grund dieses Sees hatten wir anaerobe Bedingungen, da war es also sauerstofffrei. Und das hat dazu geführt, dass Tiere, die im See verendet sind, auf den Seeboden gesunken sind und dann dort dann gut konserviert worden sind.

Was wissen Sie über das Leben vor 48 Millionen Jahren?

Die Schlange mit der verschlungenen Echse (orange) und dem unbestimmten Insekt (blau).

Mit jedem Fossil, was wir finden, können wir dieses Puzzle vervollständigen. Wir wissen über die Pflanzen, die dort gewachsen sind, relativ viel über das Klima. Es war deutlich wärmer, also vergleichbar mit Temperaturen, wie wir sie heute im Sommer 2020 haben, aber Jahresdurchschnittstemperaturen, vielleicht von 20 Grad, also subtropisch-tropische Lebensbedingungen. Wir haben viele Erkenntnisse über die frühe Evolution der Säugetiere, die damals gestartet ist. Deswegen heißt dieses Erdzeitalter auch das Zeitalter der Morgenröte - es ist die Zeit, in der letztendlich die Säugetiere ihren Siegeszug angetreten haben.

Haben Sie auch Erkenntnisse darüber, wie wir wurden, wer wir sind?

Expanding Worlds

Der Homo sapiens ist noch ein bisschen zu jung, er hat da noch lange nicht gelebt. Aber auch Primaten-Funde aus der Grube Messel geben Einblick in die frühe Evolution - und dementsprechend natürlich dann auch in unsere Linie, was natürlich erst mehrere 10 Millionen Jahre danach passiert ist.

Hier können Sie das Urpferdchen laufen sehen:

Videobeitrag

Video

zum hessenschau.de Video Ausstellung Urpferd 2.0 im Landesmuseum

hs1808
Ende des Videobeitrags
Weitere Informationen

Ausstellung

Urpferd 2.0 - interaktiv und animiert
Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ende der weiteren Informationen

Das Gespräch führte Daniella Baumeister

Sendung: hr2-Kultur, 18.8.2010, 17:10 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit