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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Schon Kinder haben Kraft in ihrer Poesie."

Elke Erb

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehrt Elke Erb für "ein eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, das von 1975 in der DDR unbeirrt bis in die Gegenwart fortgesetzt worden sei". Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Erb ist seit 1951 die elfte Frau, die den Preis bekommt. Die Verleihung ist für den 31. Oktober in Darmstadt geplant.

Tatsächlich wird hier eine Autorin gewürdigt, deren Biographie quer zu allen Systemen liegt. 1938 wurde sie in einem kleinen Dorf in der Eifel geboren. Vier Jahre nach dem Krieg beschloss die Familie die Übersiedelung in die DDR, wo Elke Erb Germanistik und Pädagogik studierte.

Doch als sie Mitte der sechziger Jahre begann, als Übersetzerin und Autorin zu arbeiten, zeigte sich bald eine Distanz zum System. Ihre Poetik war nicht kompatibel mit dem geforderten sozialistischen Realismus.

Zitat
„Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen
denn das Selbst, wie wir es hatten,
das reine
- unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag -
Gold,
von unseren Klondike-Klauen und sibirischen, karpatisch...
geklaubt aus schroffen Quarzen:
außerordentlich weich
und dehnbar, leicht
mechanisch zu bearbeiten, von
träger Reaktion,
Scheibenmonstranz, wie es vom Stengel nickt,
hört ja weder selbst noch sprichts,
ein Inbegriff
des innersten Gehirns -
oh Blastula, oh Gastrula, oh Gast
aus fernem Meer, gereist
mit gleichsam aufsteigenden Teichen,
Amöbe, die
im Teichohr Meeresrauschen
Zitat von Gedicht von Elke Erb, 1994
Zitat Ende

Poetische Selbstgespräche dieser Art galten in der DDR als Symptom westlicher Dekadenz. Dieser persönliche, sehr subjektive Ton war neu im deutschen Sozialismus- und er wurde nicht geduldet. Elke Erb wurde zeitweise von der Stasi überwacht, zumal sie auch den Kontakt zur regimekritischen Szene suchte. Sie protestierte gegen die Ausbürgerung von Regimegegnern und schrieb weiter Gedichte und Erzählungen, die einen unverwechselbaren persönlichen Ton besaßen. Über ihre Vorstellung von Lyrik sagte sie einmal.

Zitat
„Nimm drei, vier Kinder, das habe ich früher öfter gemacht, und sag; schreib mal zwölf Wörter. Du kriegst bei jedem eine Charakteristik von den Kindern selbst. Und da ist dann schon eine ursprüngliche Kraft von Poesie. Wirklich Kraft.“ Zitat von Elke Erb
Zitat Ende

Elke Erb steht für eine Poesie der Aufmerksamkeit, der Sorgsamkeit gegenüber den scheinbar kleinen, profanen Dingen des Lebens. In ihren Büchern wie "Der Faden der Geduld", "Kastanienallee" oder "Der wilde Forst, der tiefe Wald" erkundete sie gleichermaßen die intimen Regungen der eigenen Seele wie die Dinge ihrer Umgebung. Mit ihrer Liebe zu den Dingen und den Menschen fuhr sie auch nach der deutschen Vereinigung fort. Elke Erb publizierte weiter, erhielt in der gesamtdeutschen Republik Aufmerksamkeit und Literaturpreise und gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen aus den neuen Bundesländern.

Der Büchnerpreis 2020 für Elke Erb ist die Würdigung eines konsequenten, der Poesie und der Literatur zugewandten Lebensweges. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 31.Oktober in Darmstadt verliehen.

Sendung: hr2-kultur, 7.7.2020, 16:15 Uhr

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