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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch mit Hirnforscher Gerald Hüther

Gerald Hüther

Bildung ist entscheidend für die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Aber was genau ist gute Bildung, vor allem in einer Zeit der globalen Umbrüche, in der die Definition von Arbeit sich massiv wandelt?

Was ist gute Bildung?

Gerald Hüther: Wir sagen, Bildung ist das, was man für's Leben braucht und das ist natürlich mehr als das, was man in der Schule lernt. Und das, was in der Schule stattfindet, ist primär Ausbildung, also Vorbereitung auf einen Beruf.

Etwas pointierter: Kinder werden verlässlich aufbewahrt, mit Lehrplänen von gestern ausgebildet, nach Leistung sortiert und wer nicht reinpasst, fliegt unter Umständen raus. Ist das das Schulkonzept in Deutschland?

Gerald Hüther: Das kann kein Mensch mehr gebrauchen und das ist auch nicht das, was Kindern im 21. Jahrhundert hilft, sich dort zurecht zu finden. Schon auf die Frage, was Kinder wissen müssen, wenn sie aus der Schule kommen, kann keiner eine vernünftige Antwort geben.

Aber eines ist total sicher: Ein Kind, das in der Schule seine Freude am eigenen Entdecken und am Gestalten verloren hat, also mit dieser Null-Bock-Mentalität aus der Schule kommt, das wird sich in dieser neuen Welt des 21. Jahrhunderts nicht mehr zurecht finden. Heute werden keine Leute mehr gebraucht, die das machen, was ihnen irgendjemand gesagt hat.

Wer ist daran Schuld?

Gerald Hüther: Eltern und eine ganze Reihe derjenigen, die im Bildungssystem die Weichen stellen, sind ja in diesem alten System aufgewachsen. Die halten das für völlig normal und deswegen fordern die auch immer wieder das selbe, nämlich man müsse Kinder zur Leistung zwingen oder Kinder müssten durch Wettbewerb und entsprechender Kontrolle dazu gebracht werden, dass sie was leisten.

Die moderne Hirnforschung ist sozusagen weit weg von solchen Vorstellungen. Kinder müssen nicht zu Leistungen gezwungen werden, sondern Kinder kommen als extrem leistungsbereite junge Menschen auf die Welt. Kein kleiner Junge ist damit zufrieden, dass er einen mittelhohen Turm baut – das muss immer der Größte werden. Und Kinder wollen die Welt entdecken, die wollen die Welt gestalten. Und da muss sie niemand mithilfe von Zensuren oder Abschlüßen extrinsisch dazu motivieren.

Sogar die Psychologen haben herausgefunden, dass man mit jeder Form von extrinsischer Motivation, also Belohnung oder Bestrafung, diese intrinsische Motivation, diese innere Lernbereitschaft kaputtmacht. Und das können wir uns nicht mehr leisten.

Die Fragen stellte Daniella Baumeister.

Sendung: hr2-kultur Kulturcafé, 16.07.2020, 17:10 Uhr

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