John von Düffel

Um den Klimawandel geht es in John von Düffels jüngstem Roman "Der brennende See". Am Beispiel dreier Generationen zeigt von Düffel in seinem Roman verschiedene Haltungen zum Thema "Umwelt".

hr2-kultur: Was war für Sie der Ausgangspunkt für dieses Buch?

John von Düffel: Zunächst einmal ist das große Thema Klimawandel, - was für jede Schriftstellerin, für jeden Schriftsteller schwer zu greifen ist - für mich persönlich ein Wasser-Thema. Das ist ja in gewisser Weise mein Spezialgebiet. Hinzu kommt das Thema Generation, das mich auch schon schreibender Weise ziemlich lange beschäftigt. Und diese beiden Themen Wasser/Klimawandel und eben die Generationthematik sind für mich in diesem "brennenden See" die tragenden Fragen.

Natürlich ist die große Frage, was machen die Monate, der Sommer, der jetzt kommt, in Punkto Dürre? Was ist dann der Zustand des Waldes? Wie geht es den Seen, wie geht es den Flüssen? Die haben ja in den letzten beiden Jahren sehr gelitten und ich denke, auch wenn jetzt das Corona-Virus alles beherrscht, man merkt jetzt schon, es fängt schon wieder eine große Trockenheit an.

Ihr Element ist das Wasser. "Der brennende See" - ein starkes Bild. Ist das als Appell zu verstehen?

Von Düffel: Naja, es gibt einen brennenden See tatsächlich. In Indien gibt es Seen, die einen Verschmutzungsgrad erreicht haben, dass sie effektiv brennen. Das war für mich auch der Ausgangspunkt, das in vielen Regionen der Welt, Wasser zerstört wird, dass es Feuer fängt, das ist erstmal ein harter Fakt.

Und dann bin ich darauf gekommen, durch diese sehr trockenen letzten beiden Jahre, dass das Wasser eben nicht nur im buchstäblichen Sinne brennt, sondern eben auch bei uns verbrennt, verdunstet, immer weniger wird. Das ist etwas, was sehr bedrohlich ist.

Wie wirkt sich das auf unseren Umgang miteinander - zwischen den Generationen aus?

Von Düffel: Was wir erleben ist ja gewissermaßen eine totale Vorherrschaft der Gegenwart. Also wirtschaftlich ist es so, dass der kurzfristige Profit, das Nicht-Generationen-Denken, sondern das Denken an die nächste Rendite vorherrschend ist.

Und jetzt in der Corona-Krise ist ja sowieso nur "Jetzt" das was zählt, nicht der Blick in die Zukunft. Und in sofern erleben wir eigentlich genau das was "Fridays for Future" thematisiert: Einen Raubbau der Gegenwart an der Zukunft.

Die jetzige Generation, die auf die Straße geht, ist die erste, die den Klimawandel in vollem Umfang erleben wird und die letzte, die ihn vielleicht noch verhindern kann. Und natürlich ist da ein großer Interessenskonflikt vorhanden.

Die wirtschaftliche und auch etwas kurzfristige Denkweise, an die wir uns vom System her gewöhnt haben, steht im Widerspruch zu den ganz langfristigen Interessen, die eben über 80, 90, 100 Jahre hinausgehen. Und da sind wir - glaub ich - systemisch im Denken ganz weit davon entfernt.

Unter dem Motto "Erregungen" wollte das 10. Literaturfestival FrankfurtRheinMain literaTurm die zunehmende Gereiztheit gesellschaftlicher Debatten in den Fokus stellen. Gespräche mit ausgewählten Festival-Mitwirkenden hören Sie vom 23. bis 27. März im hr2-Kulturfrühstück und hr2-Kulturcafé und können Sie online hören.

Die Fragen stellte hr2-Moderatorin Anna Engel.

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 25.03.2020, 7:30 Uhr

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