Sven Plöger

Der bekannte Meteorologe und Fernsehmoderator Sven Plöger will, dass wir den Klimawandel verstehen und etwas daraus für die Zukunft lernen.

Herr Plöger, Sie haben ein Buch zum Thema Klimawandel geschrieben. Darin erklären Sie den Wandel von Beginn des Ackerbaus. Am Anfang ist da ein Zeitstrahl. Was bedeutet diese Kurve?

Sven Plöger: Das ist ein Zeitstrahl der deutlich die Temperaturveränderung anzeigt und zum Schluss sieht man das deutliche Hochwandern. Nach der Eiszeit sieht man ewig lang ein relativ stabiles Klima. Wodurch wir uns ja auch haben ansiedeln können und die Bedingungen schaffen konnten, unter denen wir heute leben können.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch mit Meteorologe und Klimaexperte Sven Plöger über die größte Herausforderung der Menschheit

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Und jetzt ist aber die Entwicklung so, dass die Temperaturen nach oben gehen. Vielleicht mal ein Gedanke dazu, weil sich viele Menschen sehr schwer tun, wenn man Ihnen erzählt, dass es ist in den letzten hundert Jahren global um ein Grad wärmer geworden ist. Vor diesem Hintergrund hört man auch immer, wenn wir nichts tun in Sachen Klimaschutz, dann werden wir bis Ende des Jahrhunderts vier Grad wärmer sein. Global.

Und deswegen mache ich immer den Vergleich und schaue einfach mal zurück. Vor 11.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit war es global vier Grad kälter. Aber eine vier Grad kältere Welt ist eine ganz andere Welt als die heutige Welt. Da war es so, dass die Alpen gar nicht sichtbar waren. Die Alpentäler waren voller Eis. Das war wie so eine Eisgugelhupf. Berlin war 500 Meter unter Eis, Rügen auch, Skandinavien zwei, drei Kilometer hoch lag das Eis auf der Landschaft. Das heißt eine vier Grad kältere Welt ist eine ganz andere Welt als die heutige. Und vor diesem Hintergrund ist natürlich auch eine vier Grad wärmere Welt eine ganz andere als die heutige, nur eben in hundert Jahren. Die Veränderung und die Natur brauchen 11.000 Jahre, also diese zeitliche Verdichtung ist das große Thema.

Was unterscheidet jetzt diese Hitze von heute und von 1963 mit dem, was wir in 2030 Jahren erleben werden?

Das Entscheidende ist die Häufung. Das heißt, wenn die Mitteltemperatur, global steigt – was sie tut –, dann erlebt man natürlich eine deutliche Zunahme von Hitzerekorden. Diese Häufung in Richtung Hitze, diese Häufung zum Beispiel auch der Dürre-Jahre, die wir jetzt gerade mit 2018 erlebt haben, dann die große Hitze 2019. Wir erinnern uns an den 25. Juli 2019: Über 60 Wetterstationen in Deutschland hatten mehr als 40 Grad im Schatten gemessen – in zwei Metern Höhe, so wie man das tut nach den Richtlinien der Welt-Meteorologie-Organisation.

Man hat diese Häufung von Hitze, diese Häufung jetzt auch extremeren Wetters. Man ist nicht mehr in der normalen Schwankungsbreite, die das Klima immer hat. Sondern wir rutschen jetzt aus der Wetter-Variabilität nach oben raus.

Interessanterweise hat uns das die Klimaforschung vor 30-40 Jahren mit den damaligen Möglichkeiten schon sehr genau vorhergesagt. Und das zeigt eben auch die Qualität der Klimaforschung. Und wie wichtig es ist, wenn man zum Beispiel an Virologen und Corona denkt, auf Wissenschaft zu hören.

Wenn ich mit dem Fahrrad zum Funk fahre und nicht mit dem Auto – nutzt das etwas? Trage ich etwas dazu bei? Das wollen wir ja alle wissen.

Das trägt immer etwas dazu bei – also jeder, der etwas Klima-Vernünftiges macht. Radfahren gehört dazu, viele andere Dinge tragen noch mehr dazu bei. Aber natürlich kann man alleine nicht die Welt retten.

Das ist auch immer das Problem, was ich sage. Schuld sind die anderen. Also, wenn ich mich jetzt selber entschließe, sehr klimafreundlich zu sein: Ich fahre nur noch Fahrrad. Ich verkaufe mein Auto. Ich fliege nicht mehr in den Urlaub. Ich lebe vielleicht vegan oder vegetarisch, mache also sehr viele Dinge für den Klimaschutz.

Da werde ich sehen, dass es nicht alle tun, sondern die Leute leben möglicherweise ihr Leben einfach weiter. Wir brauchen ein Regelwerk. Wir müssen uns tatsächlich als Gesellschaft – idealerweise in einem demokratischen Diskurs – in diesem Regelwerk darüber einig werden, welche Rahmenbedingungen wir dem Ganzen geben.

Wir müssen aber auch begreifen, wie zum Beispiel beim Ende der DDR, wenn man zurückdenkt an die damaligen Montagsdemonstration. Jeder einzelne, der auf der Straße stand, war ein Teil, und in Summe standen dann sehr viele Leute. Da hätte jeder einzelne gesagt, ob ich jetzt dabei bin oder nicht, spielt doch gar keine Rolle. Es sind so viele da, wenn man es zu Ende denkt.

Die Fragen stellte Alf Haubitz.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 17.6.2020, 16:05 Uhr

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