Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Große Realistik & große Abstraktion" im Städel

Karl Otto Götz: Ohne Titel, 1957

Das Frankfurter Städel zeigt eine Ausstellung mit Zeichnungen aus seiner Grafik-Sammlung. Darin sind Arbeiten aus dem vergangenen Jahrhundert zu sehen. Zeitlich ein weiter Bogen – was ist da zu sehen?

100 Arbeiten von 40 Künstlern sind ausgestellt, darunter ein faszinierendes Aquarell von Emil Nolde. Da hat er den Vierwaldstätter See gemalt, nass in nass, nur mit den Farben Blau und Gelb. Das leuchtet in der Ausstellung schon von Weitem. Dann gibt es ein ziemlich verrücktes Pastell-Selbstporträt von Johannes Grützke zu sehen. Das ist einen Meter groß, eine Studie für eine Jesusfigur mit nacktem Oberkörper und Grützkes Gesicht, der mit Brille und Kurzhaarschnitt skeptisch aus dem Bild guckt.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie "Große Realistik & Große Abstraktion" im Städel

Ende der Bildergalerie

Man sieht also nicht nur kleinformatige Bleistift- oder Tuschezeichnungen, die gibt es auch, aber auch viele farbige Arbeiten und immer wieder sehr Überraschendes. Alles in allem ist es ein wunderbarer Parcours durch die deutsche Zeitgeschichte und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Allerdings hat die Ausstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zum Beispiel ist keine einzige Arbeit von einer Künstlerin zu sehen. Aber zum Glück hat sich die Sammlungspolitik geändert. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit dem Expressionismus. Da sind viele Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann.

Ganz berührend ist eine Zeichnung von Beckmann. Die hat er 1915 im 1. Weltkrieg gezeichnet. Sie zeigt einen Landsturmmann. Beckmann war vom Krieg traumatisiert und er hat selbst gesagt, dass er als Soldat oft gegen die Gefahr und den Tod angezeichnet hat. Dann geht es weiter mit Arbeiten von Ernst Wilhelm Nay, Willy Baumeister oder Paul Klee, deren Formensprache sehr viel abstrahierender ist und ohne Tiefenräumlichkeit.

Zeugen der Stimmung und inneren Spannung

Der rote Faden der Ausstellung basiert auf einem Zitat von Kandinsky. Er hat zwei Pole in der Kunst bezeichnet – das Abstrakte und das Reale. Das klingt in der Kunst letztlich immer zusammen: also einerseits die Orientierung am Gegenständlichen und dann die Arbeit mit reiner Farbe und Form, ohne Bezüge zur sichtbaren Wirklichkeit. Und was es an konkreten Wechselbewegungen in der Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert gab, das zeigt die Ausstellung sehr gut.

Eine Zeichnung ist allgemein viel spontaner und persönlicher als ein ausgefeiltes Gemälde oder eine Skulptur. Es ist ein Medium mit dem Künstler experimentieren und das auch mehr von der Stimmung und von innerer Spannung zeigt. Also eine sehr gut zusammengestellte Ausstellung. Jedes Blatt lohnt intensiv betrachtet zu werden. Eine Ausstellung, die man durchaus mehrmals besuchen kann.

Weitere Informationen

Ausstellung "Große Realistik & große Abstraktion"

bis 16. Februar 2020
Städel Museum
Schaumainkai 63
Mehr Informationen

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 20.11.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit