Christopher Bolduc in "Don Giovanni" von Nicolas Brieger

"Die Stille dazwischen" ist das Motto der diesjährigen Maifestspiele. Neben hochkarätigen Opern gibt es Balett aus ganz Europa und Programm für Kinder und Jungendliche.

"Mozart soll das gesagt haben: 'Die Stille dazwischen' ist die eigentliche Musik", sagt der Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Uwe Eric Laufenberg. "Wenn Mozart von der Stille dazwischen redet, dann weiß man, damit ist die seelische, menschliche Regung gemeint, der Moment in dem der Mensch die Musik reflektiert und wo die Musik seine Seele zum Schwingen bringt", so Laufenberg.

Mit einem Mozart-Doppel geht es los: "Idomeneo" zur Eröffnung, "Titus" einen Tag später – zwei Eckpfeiler, die Mozarts Opern-Schaffen vom Anfang und vom Ende her beleuchten. Laufenberg will mit seiner Inszenierung Herrschaftsformen untersuchen. Die musikalische Leitung hat Mozartspezialist Konrad Junghänel, ebenso wie bei der Neuproduktion "Don Giovanni" am Abend darauf. In der Titelrolle Ildebrando D'Arcangelo, als Donna Anna Maria Bengtsson – große Stimmen, die das Manko wettmachen, dass von einem Opern-Gastspiel abgesehen, vor allem Eigenproduktionen des Staatstheaters Wiesbaden zu sehen sind.

Virtuos gepfiffene Arien

Das Programm mit über 50 Veranstaltungen bietet gute Gründe im Mai nach Wiesbaden zu pilgern – selbst, wenn man auf die Oper pfeift. So heißt unbekümmert frech ein Abend mit dem Wiener Puppenspieler Nikolaus Habjan: "Ich pfeife auf die Oper". "Der hat ein Programm erarbeitet, in dem er als Conférencier durch die Operngeschichte führt und dann Hauptarien pfeift. Das Pfeifen an sich war ja auch mal eine eigene Musikkunst. Aber dass der das so hochvirtuos machen kann, dass die Leute hinterher auf den Stühlen stehen, das ist schon was sehr sehr besonderes", sagt Laufenberg.

Was sich auf Berliner Bühnen tut, das zeigen Gastspiele des Berliner Ensembles, der Schaubühne und insbesondere des Deutschen Theaters mit einer Inszenierung von René Pollesch "Cry Baby". "Seine Texte sind sozusagen keine Rollenbilder, es sind eher Reisen in große Assoziationsräume, wo es zum Teil sehr verrückt zugeht – erhellend und zum lachen, erschreckend, was wir in unserer modernen Welt alles aushalten müssen", Laufenberg.

Weitere Informationen

Internationale Maifestspiele 2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden
30. April - 31. Mai 2019

Mehr Informationen zum Programm unter www.staatstheater-wiesbaden.de

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Europäische Inszenierungen

Aushalten müssen – das gilt wohl auch für die Extremperformance der Spanierin Angélica Liddell, für die es keine Grenze zwischen Leben und Kunst gibt. In Wiesbaden ist die Deutschlandpremiere von "The Scarlet Letter" zu sehen. Zum internationalen Charakter der Maifestspiele trägt auch die Ballettsparte bei, mit aktuellen Choreographien aus London und Antwerpen.

Programm für Kinder und Jugendliche bündelt die "Junge Woche". Zu sehen ist unter anderem die Premiere von Astrid Lindgrens "Die Brüder Löwenherz". Eine witzige Kombination aus Schlagzeug und Jonglage erwartet die Zuschauer beim Stück "Pacman" des belgischen Duos Post Uit Hessdalen. "Das ist eine Hochspannung mit zwischendurch sehr ruhigen Pausen. Wir sind da dem Motto der großen Maifestspiele mitgegangen – die Stille dazwischen, die es auch sehr sehenswert macht", sagt Kuratorin Sophie Pompe.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 14.2.2019, 16:10 Uhr

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