Grafische Darstellung von Sprach-Tonaufnahmen. Vergleich von Sprache und Sprechern.

Was die Stimme über den oder die Sprechenden Preis gibt, das verrät Prof. Angelika Braun von der Universität Trier. Die forensische Phonetikerin hat mehrere Jahre lang unter anderem für das Bundeskriminalamt Stimmen analysiert.

Wie hilft die Stimmenanalyse im Entführungs- oder Erpressungsfall?

Angelika Braun

Die anonyme Stimmenaufzeichnung ist eine Spur zum Täter, die noch direkter ist als eine DNA-Spur oder ein Fingerabdruck. Hiermit identifizert sich der Täter als Person, wobei DNA oder Fingerabdrücke auch mal durch einen Zufall an den Tatort gelangt sein können.

Aus der Stimmenanalyse erhofft man sich Erkenntnisse auf das Geschlecht, das Alter, die Größe, das Gewicht, Herkunft und Wohnort, Bildungsniveau und welche individuellen Aussprachemerkmale diese Person aufweist.

Welche Informationen kann man aus einer Stimmenanalyse filtern?

Das Geschlecht lässt sich zu 95% schon beim Zuhören zuordnen. Bei den übrigen 5% müssen Resonanzfrequenzen im Mund, im Rachen und in der Nase per Computer ausgewertet werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vortrag mit Stimmenbeispielen von Prof. Angelika Braun

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Das Alter lässt sich von einen geübten Experten ganz gut bestimmen, da es eine gute Korrelation mit der Stimmhöhe, mit dem Tempo, aber auch der Stimmrauigkeit gibt. Natürlich funktioniert Altersschätzung nicht aufs Jahr genau. Es wird hier ein so genanntes Gruppenmerkmal angeben.

Ein Kernbestandteil der Stimmanalyse ist herauszuhören, wo ein Sprecher seine so genannte Sprachprägephase erlebt hat, also seine Herkunft. Zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr "brennen" sich die Aussprachegewohnheiten auf die "innere Festplatte". Ebenso kann man von einem Akzent im Deutschen auf die Muttersprache rückschließen.

Das sprachliche Bildungsniveau lässt sich ganz gut an der Terminologie festmachen. Weiß jemand, dass es "identifizieren" heißt oder sagt er "sie werden misch nischt indentifizieren". Auch die Grammatik und die Eleoquenz spielen eine Rolle.

Die individuellen Aussprachemerkmale heben eine Person aus der Masse heraus: der Stimmklang, Sprechfehler, Fehlbildungen von Lauten, bevorzugte Floskeln wie "also", "eben", "ich sach jetzt mal" oder "auch", Merkmale der Atmung, Fülllaute, um die weitere Äußerung zu planen wie "äh", "ähm" oder Silben- bzw. Wortdopplungen und Lachen.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturszene Hessen", 23.02.2020, 12:04 Uhr

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