Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin hat dieses Jahr 250. Geburtstag - seine Poesie gilt als ein Höhepunkt der deutschen Literatur zwischen Klassik und Romantik und hat zahlreiche Künstler und Schriftsteller inspiriert. Zwischen 1796 und 1800 lebte Hölderlin in Frankfurt und Homburg (heute Bad Homburg) und schuf in dieser Zeit einige seiner Hauptwerke. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain ehrt ihn deshalb mit zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Rhein-Main-Gebiet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hören ist der beste Zugang zu Hölderlin

Hölderlin-Denkmal von Waldemar Schröder in Hölderlins Heimatstadt Nürtingen
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Den Auftakt macht eine Ausstellung im Gotischen Haus in Bad Homburg. Stefanie Blumenbecker war dort und hat sich dem Dichter Hölderlin genähert.

Wie kam Hölderlin nach Frankfurt, was hat er hier gemacht und was verbindet ihn mit Bad Homburg?

Statue von Susette Gontard, der Geliebten des Dichters Friedrich Hölderlin, in Bad Driburg

Vielleicht war die Zeit in Frankfurt tatsächlich die glücklichste Zeit in Hölderlins Leben, zumindest zu Beginn. Er kam in die freie Reichsstadt um eine Stelle als Hauslehrer anzutreten bei dem Bankier Jakob Friedrich Gontard. Dort begegnete er seiner großen Liebe, Susette Gontard, Ehefrau des Bankiers. Etwa zwei Jahre dauerte die Liebschaft an, bis der Hausherr dahinter kam und Hölderlin fliehen musste und in (Bad) Homburg Unterschlupf fand. Von dort wanderte er regelmäßig in einem dreistündigen Fußmarsch nach Frankfurt um seiner Geliebten einen Brief zu überbringen. Im Bad Homburg entsteht der Gesang "Patmos", der als ein Hauptwerk Hölderlins gilt, und Susette Gontard war wohl Vorbild für die Figur der Diotima im Roman "Hyperion".

Auch hr2-kultur widmet sich im Jubiläumsjahr 2020 dem Dichter, Philosophen und Literaten Friedrich Hölderlin – so senden wir zum Beispiel bereits im März eine Erzählung von Martin Walser mit dem Titel "Hölderlin auf dem Dachboden", eine Ausgabe von Kaisers Klänge, die sich Kompositionen widmet, die von Hölderlins Dichtung inspiriert sind und einen Doppelkopf mit Karl-Heinz Ott, einem Hölderlin-Kenner. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat ein umfangreiches Programm zusammengestellt, was sind die Höhepunkte?

Weitere Informationen

Wanderer zwischen den Welten

Friedrich Hölderlin zum 250. Geburtstag
Insgesamt rund 60 Veranstaltungen in Bad Homburg, Frankfurt und an sechs weiteren Orten
Kulturfonds Frankfurt RheinMain
kulturfonds-frm.de

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Hier ist kaum die Zeit, alles aufzuzählen, es gibt vielfältige Veranstaltungen. Konzerte, vom Poetry-Slam in Darmstadt über ein Rock-Musical in Bad Homburg bis hin zu Hölderlin-Vertonungen für Chor, ebenfalls in Bad Homburg. Es gibt Lesungen in Frankfurt, Hofheim und Offenbach, Theater, Ausstellungen, Rauminstallationen, Buchskulpturen, und, und, und. Alles anschaubar und abrufbar über die Homepage des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Es ist reichlich, hört sich spannend an und man kann Hölderlin dieses Jahr im Rhein-Main-Gebiet wohl kaum entkommen!

Eine erste Ausstellung im Gotischen Haus in Bad Homburg ist ja bereits am Wochenende eröffnet worden. Sie trägt den Titel "Hölderlin – ein geprägtes Bild", was ist dort zu sehen?

Gotisches Haus Bad Homburg

Es ist eine zu großen Teilen historische Ausstellung, die das Wirken und die Präsenz von Friedrich Hölderlin in Bad Homburg zum Thema hat. Es gibt also historische Bücher mit Widmungen zusehen, historische Stiche, historische Fotografien von Hölderlins Wohnhaus, Entwürfe für das Hölderlin Denkmal im Bad Homburger Kurpark und eine ganze Reihe von Medaillen, die der Ausstellung auch zum Titel verhalfen, ein geprägtes Bild. Vieles davon in Vitrinen und ergänzt mit ein bisschen zeitgenössischer Kunst.

Das hört sich sehr speziell an, ist eher was für echte Hölderlin Fans, oder?

Weitere Informationen

Hölderlin – ein geprägtes Bild

Museum Gotisches Haus
Bad Homburg
www.bad-homburg.de

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Ja. Ich glaube, man kommt dem Dichter und seinem Werk durch die Lesungen, Theaterstücke oder auch Rauminstallationen näher. Für echte Hölderlin-Kenner mag das ein oder andere Highlight in der Ausstellung zu finden sein, für Hölderlin-Neulinge wie mich ist sie recht trocken. Man kann sie vielleicht als historischen Rahmen verstehen, der die vielen zeitgenössischen Interpretationen und Adaptionen im Hölderlin-Jahr ganz gut verklammert. Alle Ausstellungsstücke stammen aus der Sammlung des Gotischen Hauses und spiegeln dadurch auch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Dichter. Sie machen aber allesamt die Person nicht sichtbar, das vermag wohl nur die Dichtung.

Was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Hölderlin-Handschriften in der Württembergischen Landesbibliothek

Es gab bei der Pressekonferenz eine Lesung des "Patmos" – als Ergänzung zu den ganzen vielen Informationen. Der Text, der als ein Hauptwerk Hölderlins gilt, wurde sehr lebendig und ausdrucksstark vorgetragen. Es ist sicher leichter, Hölderlin zu hören als zu lesen und ich bin ja als Kunstkritikerin hier und gottseidank nicht als Literaturkritikerin, deshalb kann ich wohl offen zugeben – ich habe kein Wort verstanden. Ich hatte den Eindruck, man kann ihn gar nicht verstehen, sondern ihm nur beiwohnen, zuhören, die Worte klingen lassen und in ihrem Klang wirken. Man spürt einen großen inneren Reichtum in seinen Worten, die mir ohne Anfang und ohne Ende erschienen, teilweise fast alttestamentarisch, dann wieder schwärmerisch, romantisch. Diese Lesung, während draußen der Regen in schrägen Vorhängen vor den Fenstern fiel – das bleibt mein stärkstes Erlebnis im Gotischen Haus.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturfrühstück", Frühkritik, 18.02.2020, 07:30 Uhr

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