Wolfgang Weyrauchs Hörspiel erzählt eindringlich von den letzten Stunden, Gedanken und Assoziationen des britischen Polarforschers, Robert Falcon Scott.

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Das Hörspiel ist nach der Sendung bis 03.05.2022 auf hr2.de und ARD Audiothek zu finden.

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Die letzten Tausend Kilometer Rückweg vom Südpol sind absolviert. Sein grünes Zelt hebt sich gut sichtbar vom Eis ab, daran hat er Konservenbüchsen aufgehängt als Ersatz für Blinklicht am Tag und akustische Zeichen in der Nacht. Sie sind die Begleitmusik zu Scotts Meditationen. Weyrauch setzt Scotts langsames und einsames Sterben in dramatische Beziehung zum Heranrücken der Rettungsmannschaft und zeichnet dabei das eindruckvolle Bild eines Menschen, der in seinen letzten Stunden seinem Leben und der Verantwortung, die er als Expeditionsleiter gegenüber seinen Begleitern hatte, nachspürt.

Der erste Dialogpartner Scotts im grünen Zelt, von irgendwoher beschworen, ist Oates, dem die Füße abgefroren sind und der sich eines Nachts heimlich für alle Zeit ins ewige Eis zurückgezogen hat. Ein anderer, Evans – gezeichnet vom Skorbut und dem Sturz in eine Gletscherspalte, ist wahnsinnig geworden. Bei Scott im Zelt liegen Dr. Wilson und Bowers, beide tot. Wofür die Opfer? Scott hat einen Monat und zwei Tage nach Amundsen den Südpol erreicht. Könnte er, wenn er der erste gewesen wäre, den Tod seiner Begleiter verantworten?

Scotts Tagebucheintragungen enden am 29. März 1912. Fast acht Monate später wird das grüne Zelt schließlich gefunden, um 11.51 Uhr, bei 79 Grad Strich 50, am 12. November 1912. Das Hörspiel beruht auf den Tagebuchaufzeichnungen Scotts und den Eintragungen der Rettungsmannschaft. Nach seinem Tod im Eis wird Scott zum Nationalhelden Großbritanniens. Erst etwa Mitte der 1960er Jahre setzt eine Diskussion über ein mögliches Fehlverhalten seinerseits ein. Weyrauchs Hörspiel thematisiert diese Problematik bereits 1957 aus der Innenperspektive seines Protagonisten.

Mit Benno Sterzenbach, Klaus W. Krause, Siegfried Lowitz, Hermann Speelmanns u.a.

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Wolfgang Weyrauch

(1904–1980) arbeitete als Redakteur der satirischen Zeitschrift "Ulenspiegel", war Mitglied der Gruppe 47 und später Lektor beim Rowohlt Verlag. Autor grundlegender Texte zur Literatur der frühen Bundesrepublik und zahlreicher Hörspiele, Prosa- und Lyrikbände.

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Regie: Otto Kurth
BR/hr 1957 | 67 Min.

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Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 03.04.2022, 22:00 Uhr.

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