Vor 75 Jahren, am 20. November 1945 begann der erste der insgesamt zwölf Nürnberger Prozesse, der letzte endete am 14. April 1949. Der Fall Ohlendorf basiert auf Protokollen des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher, bei dem Ohlendorf als Zeuge aussagte, sowie dem 9. Nürnberger Prozess, The United States of America against Otto Ohlendorf, et al., dem sogenannten Einsatzgruppen-Prozess.

Gerhard Zwerenz' Hörspiel zitiert teils wörtlich aus den Prozessen die mit verhaltenem Entsetzen gestellten Fragen des Anklägers und die Antworten des fast unbeteiligt erscheinenden Angeklagten. Zum Hintergrund: Nach der deutschen Invasion der Sowjetunion 1941 befehligte Ohlendorf auf Anweisung von Heinrich Himmler bis Juni 1942 die Einsatzgruppe D, die in der Südukraine und im Kaukasus operierte. Die SS-Einsatzgruppen hatten die Aufgabe, die in den eroberten Gebieten lebenden Juden und Führungskader der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu vernichten. Ohlendorf war damit verantwortlich für die Ermordung von etwa 90.000 Menschen. Otto Ohlendorf, Dr. jur. und Professor der Volkswirtschaft, erklärte 1945 im Prozess, er habe die Kriegszeit in Berlin verbracht, "mit Ausnahme eines Jahres". Auf die Frage, was er in diesem Jahr getan habe, antwortete er: "Ich war Chef der Einsatzgruppe D". Auf die weitere Frage, wieviele Männer, Frauen und Kinder er mit seiner Gruppe umgebracht habe, lautete die Antwort: "Neunzigtausend". Bevor auch nur die Vorüberlegung zu einem Einsatzgruppen-Prozess stattfand, legte Ohlendorf Zeugnis über die Struktur, Befehle und Einsätze der Einsatzgruppen ab: erst als Kriegsgefangener der Engländer und dann als Zeuge der Anklage im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess. Ohne Ohlendorfs Aussagen hätte der Einsatzgruppen-Prozess wohl nicht stattgefunden, da sie erst den Anstoß zu weiteren Prozessen gaben. Otto Ohlendorf wurde am 7. Juni 1951 hingerichtet.

Regie: Hans Gerd Krogmann

hr 1989

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Gerhard Zwerenz (1925–2015)

deutscher Schriftsteller, wurde in Gablenz in Sachsen geboren. 1949 trat Zwerenz in die SED ein, aus der er 1957 ausgeschlossen wurde, danach floh er bald nach West-Berlin. Später lebte er in München, Köln, Offenbach am Main und in Oberreifenberg im Taunus. Seit 1956 arbeitete Gerhard Zwerenz als freiberuflicher Schriftsteller. In seinem literarischen Werk setzte er sich häufig mit politischen Themen auseinander, er schrieb aber auch erotische und unter Pseudonym auch pornografische Romane.

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Nach der Sendung finden Sie das Hörspiel in der ARD-Audiothek und hier im Podcast-Channel "Hörspiele".

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Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 22.11.2020, 22:00 Uhr.

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