Als 1849 die erste Folge von David Copperfield erschien, war Charles Dickens ein weltweit erfolgreicher Autor, berühmt geworden durch seine Fortsetzungsromane, die in monatlichen "Shilling Numbers" von fliegenden Händlern vertrieben wurden.

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Das Hörspiel ist nach der Sendung bis 06.02.2023 auf hr2.de und ARD-Audiothek zu finden.

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Sendetermin Teil 4

Sonntag, 6. März 2022, 22:00 Uhr

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Freunde hatten ihn abschätzig vor dieser "minderwertigen, billigen Veröffentlichungsform" gewarnt, mit der er bald alle seine literarischen Hoffnungen begraben könne. Aber Dickens, durch seine journalistischen Anfänge ein geübter Beobachter und rascher Schreiber, blieb dabei, sich als Unterhaltungsschriftsteller zu etablieren. Noch während des Schreibprozesses ging er auf Wünsche des Publikums ein und gab gelegentlich dem Fluss der Erzählung eine gänzlich andere Wendung, wenn die letzte Folge oder der Charakter einer Figur beim Publikum keinen Anklang fand und die Auflage sank. Bei der Planung von "David Copperfield" entschied Dickens sich zum ersten Mal für ein erzählendes Ich. Kurz zuvor war er mit einer Autobiographie gescheitert und hatte die Anfänge dazu ins Feuer geworfen, jetzt, mit einem fiktiven Ich – dessen Namensinitialen seinen eigenen entsprechen – ist er an biographische Genauigkeit nicht gebunden, kann Fiktives mit Tatsachen verflechten und ist schließlich selbst begeistert vom Ergebnis seiner Methode. "Man darf mir glauben", schrieb er noch in seinem Todesjahr, "dass ich auf jedes Kind meiner Einbildungskraft stolz bin und dass niemand diese Familie so gern haben kann wie ich. Doch wie viele stolze Eltern habe ich im Tiefsten meines Herzens ein Lieblingskind. Und sein Name ist David Copperfield."

David wird nach dem Tod seines Vaters im Dorfe Blunderstone in Suffolk geboren und erlebt nur wenige glückliche Kinderjahre, bis er als Laufbursche in einer Londoner Weinhandlung ein "Leben auf eigene Rechnung" beginnt und jenen charakteristischen Figuren begegnet, die diese fiktive Lebensbeichte zu einem Klassiker werden ließ, noch bevor dieser Begriff existiert hat: dem ewig verschuldeten Mr. Micawber, dem infamen Uriah Heep, der handfesten Miss Betsey und der tugendhaften Agnes.

Mit Markus Meyer, Ulrich Noethen, Ingrid Andree, Sunnyi Melles, Dietmar Mues, Sylvia Heid, Volkert Kraeft, Jens Wawrczeck, Judith Rosmair u.v.a.

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Charles Dickens

(1812–1870), als Pseudonym auch "Boz" wurde als Sohn eines Marinezahlmeisters als zweites von acht Kindern geboren. Da die Familie verschuldet ist, musste er, wie damals üblich in England, bereits mit zwölf Jahren bei einem Schuhputzmittelfabrikanten für den Unterhalt der Familie sorgen. Später kann er wieder die Schule besuchen und wird Schreiber bei einem Advokaten und schließlich Parlamentsberichterstatter. In den frühen 1830er Jahren arbeitet er für verschiedene Zeitungen und gibt später u.a. die liberale Tageszeitung "Daily News" heraus. Durch die 1836–37 in monatlichen Heften erschienenen »Pickwick Papers« erlangte Dickens erste Erfolge als Schriftsteller. Die folgenden Romane entstanden ebenfalls als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen. Oft schrieb er an mehreren gleichzeitig. In "David Copperfield" entwickelte Dickens eine ursprüngliche Erzählkraft, die in sich selbst und dem Leben, besonders der unteren Klassen, ihre Quelle fand. Dickens wollte nicht nur den literarischen Erfolg, sondern auch das Gewissen seiner Zeit wachrütteln und den Weg für soziale Reformen ebnen. Wie die Folgen der Fortsetzungsreihe, erschien auch die erste Buchausgabe von »David Copperfield« (1850) mit Illustrationen von Hablot Knight Browne, bekannt unter dem Namen "Phiz". Bei der Entwicklung der Figuren für die Illustrationen arbeiteten "Phiz" und "Boz" eng zusammen. Dickens unverwechselbare Charaktere wurden durch die Illustrationen noch lebendiger und brannten sich bis weit ins nächste Jahrhundert ins Gedächtnis der Leserschaft ein. In der Verfilmung von "David Copperfield" (1935, Regie: George Cukor) ist Brownes Einfluss auf Besetzung und Maske unverkennbar.

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Aus dem Englischen von Gustav Meyrink
Hörspielbearbeitung & Regie: Annette Berger
Musik: Sabine Worthmann
hr 2006 | 64 / 59 / 64 / 68 Min.

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Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 27.02.2022, 22:00 Uhr.

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