Wie sehr die populäre Figur der Heidi und ihr Heimweh auch im 21. Jahrhundert zum Drama taugt, macht Robert Schoens Versuchsanordnung deutlich, die seinem Hörspiel zugrunde liegt: Anhand einer Heidi-Verfilmung ließ er zahlreiche Asylsuchende Heidis Geschichte nacherzählen. In dieser »oralen Nachschrift« spiegeln sich zugleich ihre Wünsche und Sehnsüchte und verdeutlichen einen schmerzhaften Heimatverlust

Weitere Informationen

Download oder online hören

Download 12 Monate: hr2.de und ARD Audiothek

Ende der weiteren Informationen

Es entstand ein präzise orchestriertes Stimmenspiel, das 2013 mit dem Online-Award, dem Publikumspreis der ARD Hörspieltage, ausgezeichnet wurde.

» Mariam aus Somalia erinnert sich daran, wie sie kichern musste, als sie zum ersten Mal die deutsche Sprache hörte. Clement aus dem Kongo kann Heidi gut verstehen, wenn sie hinter Fräulein Rottenmeiers Rücken heimlich Brötchen für die Menschen zu Hause stibitzt, und Irina aus Usbekistan ist ganz empört, weil der Arzt im Hause Sesemann nicht früher erkennt, dass Heidi vor lauter Heimweh langsam krank wird. Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, aus Somalia, Kongo, Togo, Angola, Usbekistan, Palästina, Georgien dem Iran und Guinea, sehen den Film mit anderen Augen und lassen uns daran teilhaben. Ein akustischer Versuch über das Fremde im scheinbar Vertrauten.« [Robert Schoen]

Zur Ursendung lobte die SZ Heidi Heimat als ein »originelles, sinnliches Hörspiel« und die Funkkorrespondenz schrieb: »Die Stärke des Stücks ist die Inszenierung des doppelten Blicks. Des Blicks auf den >Heidi<-Film, auf den manche mit unmittelbarer Rührung, andere mit kritischer Distanz reagieren, und des Blicks durch den Film hindurch auf die eigene Geschichte und die Gesellschaft, in der man sich befindet.«

In epd medien hieß es: »Trotz bekannter Schwierigkeiten ist in diesem Dokumentarspiel oft von guten Erfahrungen in Deutschland die Rede. Die positive Gesamtbilanz dieser Migrant*innen wird verstärkt durch die Gesprächsatmosphäre: Bei der Zusammenarbeit mit Schoen erleben sie offenbar das Glück, dass hier gleich zwei Bezugspersonen ihren Heimatverlust ernst nehmen und die Momente des Verkanntseins verstehen - die Schweizer Schriftstellerin von einst und der deutsche Autor von heute.«

Konzept & Realisation: Robert Schoen
hr 2013, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW | 51 Min.

Weitere Informationen

Robert Schoen

geboren 1966 in Berlin. Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Radioarbeiten seit Mitte der 1990er. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Hörspielpreis der Kriegsblinden 2011 für »Schicksal, Hauptsache Schicksal«.

Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen

Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 25.07.2021, 16:04 Uhr.

Ende der weiteren Informationen
Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit