Madame Legros, eine einfache Frau aus dem Kleinbürgertum, findet vor der Bastille einen Zettel mit der Botschaft eines seit vielen Jahren unschuldig im Kerker schmachtenden Gefangenen, der um Hilfe bittet. Durch diesen Zufall wird ihr die ungeheuerliche Macht des Unrechts und die willkürliche Gewalt der Herrschenden bewusst. Fortan setzt sie sich für die Befreiung des Unschuldigen ein.

Beherzt verschafft sie sich Zugang zu den höheren Schichten der Gesellschaft, dort betrachtet man der natürlichen Begeisterungfähigkeit Madame Legros' mit Ironie und hält die einfache Bürgerin, die von der Idee der Gerechtigkeit erfüllt ist, für eine Kuriosität. Selbst die Königin möchte sich ein solches Schauspiel volkstümlicher Naivität nicht entgehen lassen: Madame Legros kann bis zu ihr vorzudringen und ihr Anliegen, die Befreiung des Gefangenen Latude, vortragen. Immer deutlicher wird Madame Legros bewusst, dass sie, um ihr Ziel zu erreichen, mit den Herrschenden Kompromisse schließen muss.

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Nach der Sendung finden Sie das Hörspiel in der ARD-Audiothek und hier im Podcast-Channel "Hörspiele".

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Doch sie schafft es schließlich, und wird für ihren Einsatz im Dienst der Menschlichkeit mit dem Tugendpreis der Akademie ausgezeichnet. Müde und desillusioniert kann sie die öffentliche Ehrung nur noch als Hohn auf die gerechte Sache empfinden. Als die Menge am Vorabend des Sturms auf die Bastille Madame Legros auffordert, als Führerin voranzuschreiten, weigert sie sich. Der Chevalier d'Angelot, der sie vor der blinden Wut der Revolutionäre schützen will, wird getötet. Voller Schuldgefühl und Resignation kehrt Madame Legros in ihr beschränktes häusliches Dasein zurück.

Mit:
Madame Legros | Ida Krottendorf
Königin Marie Antoinette | Adelheid Seek
Comtesse d'Orchat | Julia Costa
Marquise de Sarclé | Anneliese Born
Verwandte des Ehepaars Legros | Ulli Philipp
Madame Touche | Karin Schlemmer
Legros | Alfons Höckmann
Chevalier d'Angelot | Ernst-August Schepmann
Abbé de Zorane | Jörg Schleicher
Fanchon | Johannes Großmann
Vignon | Walter Thurau
sowie: Anni Steiner, Maria Walenta, Karl-Heinz Bernhard, Heinrich Diederich, Herbert Dubrow, Carlo Fuß, Thomas Stroux u.a.

Hörspielbearbeitung: Fred von Hoerschelmann
Regie: Otto Düben
SDR 1966 | 61 Min.

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Der Schriftsteller und Essayist Heinrich Mann, älterer Bruder Thomas Manns, wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren. Heinrich Manns Erzählstil ist vom französischen Roman des 19. Jahrhunderts geprägt, seine Werke häufig gesellschaftskritisch; vor allem sein Frühwerk ist oft beißende Satire auf die bürgerliche Scheinmoral und die autoritären Strukturen der Wilhelminischen Zeit. Die Verfilmung seines 1905 erschienen Romans »Professor Unrat« im Jahr 1929 brachten dem bis dahin verpönten Roman Weltruhm ein. 1933 ging Heinrich Mann ins französische Exil, später in die USA, wo er am 11. März 1950 in Santa Monica starb. Sein Grab liegt seit 1961 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

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Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 14.03.2021, 22:00 Uhr.

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