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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dr. Ingo Kollosche über die Zukunft der Mobilität

Wie gestaltet sich die Zukunft der Mobilität?

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Auch die Art, wie wir uns fortbewegen. Welche kurzfristigen Lösungen könnten Bestand haben? Ein Gespräch mit Ingo Kollosche, Forschungsleiter am Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.

Wie verändert die Corona-Pandemie unser Nutzungsverhalten im Bereich Verkehr?

Ingo Kollosche: Die Pandemie hat dazu geführt, dass Menschen Aufenthaltsräume auch im Bereich der Mobilität, wo mehrere Menschen anwesend sind, erst mal sehr zögerlich frequentieren. Dazu gehören Busse und Bahnen. Und das hat zur Folge, dass der ÖPNV natürlich massivst unter Finanzierungsschwierigkeiten leidet. Aber auch aus Perspektive der nachhaltigen Mobilität ist natürlich der ÖPNV das Rückgrat einer nachhaltigen Verkehrs-Entwicklung. Und wenn der nicht nachgefragt wird, dann sieht es schlecht aus.

Die Radfahrer hingegen waren bisher, und das ist auch statistisch nachgewiesen, die Gewinner der Pandemie. Nun gilt aber abzuwarten, ob, wenn viele zum Fahrrad greifen, eine entsprechende Lobby dafür da ist. Und Fahrspuren für Radfahrer, die jetzt während der Pandemie entstanden sind, wieder freigegeben werden. Der Effekt, die Infrastruktur für Radfahrer auszubauen, der Menschen dazu motiviert hat, auf's Rad zu steigen, könnte sehr schnell wieder verpuffen.

Überhaupt ist ja immer die Frage, sind das wirklich langfristige Änderungen oder ist es jetzt erst mal kurzfristig? Und dann ist doch hinterher wieder alles so wie vorher?

Ingo Kollosche: Gerade was wir jetzt wieder beobachten, durch eine Auflösung der strengen Regeln, dass wir genau diese Phänomene haben. Die Verkehre nehmen wieder zu. Bis auf eins, was eben nicht wieder auf vor-Corona-Niveau ist: nämlich die Nutzung des ÖPNV. Auch das, was vollkommen ausgestorben ist, weil es halt ein Kollektiv-Verkehr ist, das sind die ganzen neuen Mobilitätsdienstleistungen, Shuttle-Services und so weiter. Die ganzen Carsharing-Anbieter, die fahren alle jetzt wieder hoch. So hat das fast wieder das Niveau wie vor der Krise.

Und dennoch würde ich behaupten, einen Zustand wie vor Corona, eins zu eins, werden wir nicht bekommen. Der ÖPNV wird noch lange daran zu knabbern haben und muss Strategien entwickeln, um wieder auf die Fahrgastzahlen kommen und als ein sicheres Transportmittel zu gelten.

Welchen Stellenwert hat denn das Homeoffice? Wenn die Menschen mehr zuhause arbeiten, sind sie weniger im Verkehr unterwegs. Lösen sich da manche verkehrspolitischen Probleme womöglich ganz von alleine?

Ingo Kollosche: Das wäre zu schön. Und das wäre nur messbar, wenn wir massivst im Homeoffice bleiben würden über eine längere Zeit. Dann könnten wir die Chance haben, dass gerade Pendlerströme, die die größten Probleme für Städte sind, dadurch etwas reduziert werden.

Und es besteht sicherlich die Chance, das zu tun. Denn gerade werden Lernerfahrungen gemacht. Viele konservative Betriebe haben plötzlich auch gesehen, welchen Effekt Homeoffice haben kann, dass man es auch massenhaft durchziehen kann und dass das effektiv und effizient sein kann.

Aber es muss auch sozialpolitisch abgesichert sein. Denn das ist letztendlich eine andere Form des Arbeitens. Und dort wird in der Zukunft abzuwarten sein, wie viel von diesem angesprochenen Lerneffekt umgesetzt werden kann und wir dadurch Effekte messen können.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 29.6.2020, 17:10 Uhr

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