Colin Pütz spielt den achtjährigen Louis van Beethoven.

Hinter den Mythos Ludwig van Beethoven blickt der aufwendig inszenierte Spielfilm "Louis van Beethoven" von Regisseur Niki Stein. Der 13-jährige Colin Pütz ist darin als Wunderkind Beethoven zu erleben.

hr2-kultur: Colin, du bist 13 Jahre alt, und wir können dich erleben in dem Film "Louis van Beethoven", und zwar als den jungen Ludwig van Beethoven als Louis. Der konnte ja schon früh richtig gut Klavier spielen. Und das kannst du auch. Immerhin studierst du schon am Pre-College an der Kölner Musikhochschule. Mich würde interessieren, wie bist du eigentlich zu der Rolle gekommen? Gab es da ein Casting?

Colin Pütz: Nein, ich bin ja im Pre-College in Köln, und dort hat mich die Leiterin der Hochschule gefragt. Sie hat irgendwie davon gehört, ob sie jemanden hat, den sie weiterempfehlen kann, der diese Rolle machen kann. Und da hat sie halt mich gefragt.

Weitere Informationen

ARD-Mediathek

Der Historienfilm "Louis van Beethoven" ist ab 17. Dezember 2020, 20:15 Uhr in der ARD-Mediathek abrufbar unter www.ardmediathek.de

Ende der weiteren Informationen

Am Anfang war ich skeptisch, hatte noch nicht so eine richtige Lust, das zu machen. Und dann gab es das erste Casting in Berlin. Dort musste ich eine Szene lernen, und die wurde dort vorgespielt. Da waren noch andere Jungen, die wollten auch diese Rolle. Und dann wurde ich gewählt. Und dann habe ich mich schon etwas mehr gefreut. Dann habe ich Schauspielunterricht bei Tina Seidel und auch Unterricht auf diesen historischen Instrumenten genommen, weil ich ja eigentlich nur Klavier spiele. Aber das ist mir nicht so schwergefallen. Und dann habe ich mich irgendwann richtig gefreut darauf.

hr2-kultur: Das kann ich mir vorstellen. Du hast ja jetzt zum ersten Mal geschauspielert, und du hast mir gerade erzählt, du hast Schauspielunterricht genommen. Das heißt, du hattest einen Coach. Und dir hat jemand Tipps gegeben. Was hast du denn für Tipps bekommen? Kannst du dich noch erinnern?

Colin Pütz: Dass ich wirklich so reden muss, als ob ich in dieser Situation wäre. Dass ich mir immer überlegen soll, was meine Hintergedanken sind. Und was ich in diesem Moment für Gefühle habe, solche Sachen soll ich mir überlegen.

hr2-kultur: Und gab es da Momente, gab es das Szenen, wo du dachtest, das ist richtig schwer. Mal sehen, ob ich das hinkriege.

Colin Pütz: Ja, es gab ein paar, und die haben dann irgendwie am Set viel besser geklappt als vorher im Schauspielunterricht. Wahrscheinlich, weil man da schon in dem alten Kostüm war, und sich schon mehr so gefühlt hat wie Beethoven. Jedenfalls hat es dann viel besser geklappt, als ich dachte.

hr2-kultur: Du hast schon gesagt, du hast da in den alten Klamotten gespielt, und du hattest vorher sogar Unterricht auf alten Instrumenten. Was war das denn für ein Gefühl, als Louis am Instrument zu sitzen in den alten Kleidern?

Colin Pütz: Da hat man sich schon so gefühlt, als wenn man noch im 18. Jahrhundert dabei gewesen wäre. Sobald man dann in den alten Kostümen war, war das so, als ob es 200 Jahre zurückgegangen ist. Und wenn man dann die Szenen beendet hat und dann die ganzen Kameraleute wiedergesehen hat, wusste man wieder, dass es nur ein Film ist.

hr2-kultur: In dem Film spielst du den jungen Louis, der ist ungefähr so alt wie du. Was denkst du denn? Was hatte der für ein Leben, und was war das für ein Junge?

Colin Pütz: Ich denke, er wollte schon immer sehr viel erreichen. Also ich denke, er war sehr ehrgeizig, da er ja auch von seinen Eltern sehr gedrillt wurde. Die waren ja ziemlich streng, vor allem der Vater. Da gab es ja auch eine Szene, wo mir der Klavierdeckel zugeschlagen wurde, weil ich nicht gut gespielt habe. Die Klavierlehrer waren ja auch nicht so nett, wie man sie heute kennt. Da gab es einen, der hat mir auf die Schulter geschlagen mit einem Stock. Also ich denke, dass Beethoven schon sehr herumkommandiert wurde und dann ja auch selber eine starke Persönlichkeit entwickelt hat.

hr2-kultur: O Mann, da hast du ja Einiges erlebt in dem Film. Ich entnehme deinen Worten, dass du heute eine nette Klavierlehrerin hast. Und sie hat dich wahrscheinlich auch vorbereitet auf den Film.

Colin Pütz: Ja, also die Stücke, die ich dort gespielt habe, habe ich auch auf einem normalen Klavier gemacht. Aber im Endeffekt habe ich ja alles auf historischen Instrumenten gespielt. Da hatte ich dann noch mal einen extra Lehrer.

hr2-kultur: Du hast ja wahrscheinlich davor auch schon viel Beethoven auf dem Klavier gespielt. Was gefällt dir denn an seiner Musik?

Colin Pütz: Ich vergleiche das immer gerne mit den Klavierkonzerten, denn das sind meine Lieblings-Klavierkonzerte generell, vor allem das dritte Klavierkonzert. Und dort finde ich es sehr besonders, wie er die Stimmungsschwankungen hinkriegt. Es ist alles noch sehr friedlich, und dann von der einen auf die andere Sekunde ist es dann plötzlich laut und dramatisch. Und diese Übergänge passen auch noch zusammen. Und es ist trotzdem keine zeitgenössische Musik. Und ich mag auch generell die Dramatik in den Stücken.

hr2-kultur: Und wenn du jetzt, nachdem du den Film gedreht hast, dich ans Klavier setzt und Beethoven spielst, was denkst du da über seine Musik?

Colin Pütz: Vorher wusste ich halt nur wenig über Beethoven. Ich wusste natürlich, dass er in Bonn geboren ist. Aber als ich die Musik von ihm gespielt habe, habe ich mich nicht so sehr in ihn hineinversetzt. Und ich muss ehrlich sagen: Wenn ich jetzt irgendetwas von ihm spiele, dann dauert es auch erst mal so ein bisschen, bis ich da wirklich die richtige Stimmung dazu gefunden habe. Aber ich denke dann auch schon häufiger mal an den Film, und dann fällt es mir auch leichter, das zu spielen.

hr2-kultur: Also ich freue mich schon riesig auf den Film. Wenn man heute mit Kindern spricht, dann fällt ihnen zu Beethoven meistens "Für Elise" ein. Manche kennen auch "Freude schöner Götterfunken". Ich glaube, sie können aber noch viel mehr entdecken, wenn sie den Film sehen, in dem du mitgespielt hast. Was würdest du denn anderen Kindern sagen? Warum sollten sie sich den Film über Beethoven angucken?

Colin Pütz: Damit sie wissen, wie Beethoven gelebt hat. Generell, wie es im 18., 19. Jahrhundert war, wie die Leute da gelebt haben, nicht nur von Beethoven, sondern generell so, wie es früher sich so gelebt hat. Damals waren ja auch noch ganz andere Regeln, jeder hatte andere Rechte. Es gab noch keine Handys, keine Autos, keine Computer, und man ist immer mit der Kutsche hin und her gefahren. Und dann sollte man vielleicht auch merken, wie schön es ist, wenn man jetzt in der heutigen Zeit lebt, oder wie viel einfacher es uns gemacht wird. Aber vielleicht, wie schön es sein kann, ohne Handy einen Tag zu verbringen.

hr2-kultur: Das ist ein Wort. Colin, ich danke dir für die Zeit, und ich wünsche dir alles Gute weiterhin, und spiel weiter Klavier.

Das Interview führte Adelheid Kleine.

Sendung: hr2-kultur, Am Morgen, 17.12.2020

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit