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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schriftsteller Stephan Thome begrüßt die Diskussion

Die Symbolfiguren des Grenzgangs - Mohr und zwei Wettläufer - auf dem 1. Frühstücksplatz in der Nähe der Sackpfeife.

Bei einem Volksfest in Marburg Biedenkopf spielt ein "Mohr" eine Hauptrolle. Alle 7 Jahre wird dafür ein Mann schwarz geschminkt, tanzt und führt dann als "Mohr" beim großen Grenzgangsfest einen Umzug mit tausenden Menschen. 2019 ist es wieder so weit. Vermehrt kommen jetzt kritische Stimmen auf, sie nennen die Jahrhunderte alte Tradition rassistisch.

Grenzgang Festival Marburg Biedenkopf

Beim so genannten "Grenzgang" wandern die Menschen die Gemarkung des Stadtwaldes von Biedenkopf entlang. Denn Dörfer in der Nähe versuchten früher, die Grenze zu verschieben, um ein Stück des Waldes abzubekommen. Die Biedenkopfer wehrten sich alle sieben Jahre mit einem Grenzgang, angeführt von einem "furchteinflößenden Mohren". Später wurde aus dem Brauch ein Volksfest.

Der Schriftsteller Stephan Thome im Gespräch

Stephan Thome

Der Schriftsteller Stephan Thome kommt aus Biedenkopf und hatte vor 10 Jahren seinen Durchbruch mit dem Roman "Grenzgang", der sich auf dieses Volksfest bezieht. Er lebt mit seiner Familie inzwischen in Taiwan, ist aber für das Grenznag-Fest extra nach Deutschland gekommen.

hr2-kultur: Herr Thome, welche Rolle spielt der "Mohr" beim Biedenkopfer Grenzgang?

Stephan Thome: "Seine schwarze Bemalung färbt bei Berührung auf die anderen Beteiligten beim Grenzgang ab, und das soll Glück bringen. Er ist die tragende Figur bei der ganzen Sache. Und ich würde sagen, er ist eine positive und von allen geschätzte und gewürdigte Figur."

hr2-kultur: Sehen Sie denn darin noch einen Rest Kolonialismus erhalten? Allein die Bezeichnung "Mohr" hat eine ambivalente Geschichte. Sie reicht bis in die griechische Antike, in der "moros" dumm oder einfältig bedeutete. Ein Mitglied des Marburger Ausländerbeirates sprach von einem "leichtfertigen Spiel mit Bildern und Farben" und von Rassismus.

Stephan Thome: "Wenn wir uns das heute angucken, haben wir sofort den Begriff des 'Blackfacing" im Hinterkopf. Also aus den Minstrel-Shows in Amerika, wo sich Weiße schwarz angemalt haben, um sich über Schwarze lustig zu machen. Das findet sich so in der Funktion, die der Mohr im Biedenkopfer Grenzgang hat, nicht. Insofern warne ich davor, sofort mit dem großen Vorwurf des Rassismus zu kommen. Gleichwohl ist uns allen unwohl, wenn wir eine solche Praxis beobachten, eben weil diese negativen Konnotationen da mitschwingen, wenn eine weiße Person schwarz angemalt auftritt. Ich finde, man muss sich verständigen. Und man muss sich schon fragen, finden sich vielleicht Leute durch diese Praxis verunglimpft oder negativ dargestellt. Ich bin sehr dafür, dass diese Debatte geführt wird. Hoffentlich wird sie sachlich geführt - und der Rassismusvorwurf verhärtet die Fronten nicht unüberwindbar."

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 16.8.2019, 16:15 Uhr

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