Heute mit: Gerry Mulligan The Concert Jazz Band: The First Album, Poll Winners Records PWR 27264 | Gerry Mulligan '63: The Concert Jazz Band, Verve Jazzplus 06007 5340163

Gerry Mulligan ist vor allem erstmal derjenige, der das schwerfällige Baritonsaxophon zu flexibler Brillanz führte mit seiner kantablen Melodik, weich und schmiegsam in allen Registern. Mulligan ist aber auch der Mann, der mit seiner Concert Jazz Band Anfang der 60er-Jahre für eine spezifische Klangästhetik in Großformationen sorgte.

Schon als Ende der 40er-Jahre das Capitol Orchestra von Miles Davis Jazzgeschichte geschrieben hat mit ”Birth of the Cool", war der junge Gerry Mulligan daran beteiligt, als Baritonsaxophonist und als Arrangeur. Auch er ist einer der Architekten der so betörend wirkenden kühlen Orchesterklänge.

Mulligan hat Anfang der 60er-Jahre in seiner Concert Jazz Band einige wesentliche Eigenheiten seiner kleinen Combos auf die Großbesetzung übertragen: den Verzicht auf das Klavier, und zwar durchgängig. Eine Rhythmusgruppe ohne Piano, nur mit Bass und Schlagzeug bestückt, das war ziemlich ungewöhnlich damals und in der Big-Band-Szene gänzlich neu.

Seine Vorliebe für kontrapunktische musikalische Gestaltung hat Mulligan auch in der großorchestralen Umgebung realisiert: kompositorisch im subtilen Mit- und Gegeneinander der Bläsersätze, und improvisatorisch in seinem Zusammenspiel vor allem mit Bob Brookmeyer: Simultane, also gleichzeitige Improvisationen der beiden auf Baritonsaxophon und Posaune prägen viele Stücke der Concert Jazz Band.

Musik: Matthias Spindler | Moderation: Karmen Mikovic

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Recording-Sessions, die die Welt, mindestens die Jazz-Welt, bewegt haben und noch immer bewegen. Die Sendung Jazz Classics präsentiert unvergessene Meilensteine der Musik-Geschichte. Und wenn sie schon vergessen sind, dann sorgen wir für deren Reanimation. Ab und an drücken wir also die Refresh-Taste.

Dabei liefert die Sendung Jazz Classics auch den Kontext: Geschichten über die agierenden Musiker*Innen, die Entstehungsbedingungen der Produktion und welchen Stellenwert diese im Laufe der Karriere der Künstler*Innen hatte. Hier und da ein bisschen Rezeptionshistorie war noch nie verkehrt, um Musik, die man hört, auch zu begreifen. Jazz ist mehr als nur eine klingende Tapete.

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