“Hear The Rueckert!“ – Jochen Rueckert, deutscher Schlagzeuger in Brooklyn, über zwei neue Alben in Zeiten der Pandemie und das beängstigende Erstarren der Szene

Jochen Rueckert, der Trommler aus Düren bei Köln, ist schon seit anderthalb Jahrzehnten integraler Teil der New Yorker Jazzszene. Aus dem >ü< in seinem Nachnamen wurde ein >ue<. Aber nicht nur das. In seinen internationalen Bands spielen Größen wie Mark Turner und Matt Penman. Gerade hat Rueckert zwei neue Alben an den Start gebracht – und ist paralysiert. Nichts geht mehr, keine Konzerte, keine Release-Tour, keine Einnahmen, dafür Kinderhüten und "Gefangenschaft" in den eigenen vier Wänden. New York ist im totalen Lockdown und die Lage ist ernst. Die Szene, die Musiker, die Clubs sind bedroht. Rueckert hält die Schockstarre sogar für lebensbedrohlich: Das Genre ist schwer angeschlagen und kein Silberstreif am Horizont erkennbar.

Wir versuchen trotzdem – oder gerade deshalb – mit ihm über seine Musik zu reden. Die Musik, die er gemacht hat und jetzt nicht mehr machen kann, im Moment. – Wirklich nur im Moment? Das ist das schleichende Gift, das die Seele zermürbt.

Der Titel dieser Sendung ist abgekupfert von einer Idee, für die Rueckert die Copyrights besitzt: "Read The Rueckert" ist eine Art digitaler Biographie von Rueckert in Form von Fotos aus diversen Hotelzimmern, die er in seinem Tourleben schon besucht hat, Kurzgeschichten über besonders banale Reise-Tage und Intrigen von Musikerkollegen.

Wir wollen ihn hören: "Hear The Rueckert!", seine neue Musik und seine Schilderungen der aktuellen Situation in NYC – im Gespräch mit Daniella Baumeister.

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Sein gerade fertiggestelltes Album "Stars And Garters" steht für typische Rueckert-Moods, die wir von seinem Quartett mit Mark Turner, Lage Lund und Matt Penman kennen: ein wiedererkennbares Printmark eines komponierenden Schlagzeugers. Hier arbeitet er aber überraschenderweise mit einer Hammond B3 im line-up, die Brian Charette spielt. Hier ist es Chris Cheek, der die weltverloren coolen Saxophon-Linien bläst (mittlerweile hat man anscheinend schon Turner im Hinterkopf, wenn es um Rueckert geht). Auch hier auf einigen Stücken Gitarrensounds: Yotam Silberstein und Jeff Miles sind dabei.

Rueckert hat auch eine dunkle Seite, noch dunkler als die, für die er ohnehin steht: Elektronisch experimentell ist sein Projekt "Wolff Parkinson White". Zu eigenwilligen Electronics von Rueckert, hier trommelt er nicht, versprühen 13 Vokalist*innen betörende verbale Sadness, darunter auch Becca Stevens und Norah Jones.

Jochen Rueckert: Stars And Garters | https://jochenrueckert.bandcamp.com/album/stars-and-garters

Wolff Parkinson White – with singers: Favours | https://wolffparkinsonwhite.bandcamp.com/album/favours

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