"Alles wird gut gegangen sein werden" – Das Konzert: Brigade Futur III & Spielvereinigung Sued || Elia Rediger, voc | Benjamin Weidekamp, reeds, cl | Jerome Bugnon, tb | Michael Haves, g, künstlicher Gesang, samples, kazoo, keyb | Simon Bodensieck, reeds | Johannes Moritz, reeds | Damian Dalla Torre, reeds | Henrik Baumgarten, reeds | Konrad Schreiter, tp | Patrick Schanze, tp | Vincent Hahn, tp | Richard Koch, tp | Ludwig Kociok, tb | Julian Schließmeyer, tb | Matthias Büttner, tb | Florian Kästner, p | Philipp Rohmer, b | Philipp Scholz, dr | 16. Darmstädter Jazzforum: “Positionen! Jazz und Politik“, Darmstadt, Bessunger Knabenschule, Oktober 2019

Dass eine Band nicht gerade zufällig auf der Bühne steht, das wird jeder Veranstalter für sich in Anspruch nehmen. Manchmal kann aber dieser Gedanke der Zufälligkeit gar nicht erst aufkommen. Dann nämlich, wenn die Band so etwas wie ein unbedingtes Muss ist. Ein Muss im Kontext dessen, was hier inhaltlich verhandelt wird.

Das Darmstädter Jazzforum (03. - 05.10.19) – eine weltweit einmalige Verzahnung von internationaler Konferenz zur Jazzforschung, tagesaktuellem Symposium, mit Konzerten, Ausstellungen und Dokumentarfilmen – ging der Frage nach: Was ist übrig geblieben vom politischen Impetus und der gesellschaftlichen Relevanz im Jazz der Gegenwart?

„Uns interessiert (…), ob die zunehmende politische Polarisierung angesichts von weltweit wachsendem Populismus, Klimakatastrophe, Kriegen, Hunger, aber auch ungleicher Wohlstandsverteilung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus in Deutschland wie Europa die Musiker*innen, auch Jazzmusiker*innen diesseits des Atlantiks, zu klaren politischen Positionierungen in ihrer künstlerischen Arbeit veranlasst?“, das war Gegenstand der Erörterungen.

Und dass diese Fragestellung gerade diesseits des großen Teichs mehr als diskutierenswert ist, daran haben die Veranstalter in ihrer Bestandsaufnahme keinen Zweifel aufkommen lassen: „Jazz wurde immer als eine Musik der Widerständigkeit wahrgenommen. Mit dem Einzug in die Institutionen scheint der Jazz ein wenig seines politischen Bewusstseins verloren zu haben. Musiker*innen beschäftigen sich mehr mit technischen und ästhetischen Fragen; das Publikum sonnt sich eher im vergleichenden Blick zurück, als dass es seine Aufmerksamkeit dem oft schwierigeren – und das nicht immer, weil die Musik schwierig ist – aber solidarischen Blick nach vorn widmet.“

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Dass sich fiktionale politische Programmatiken durchaus in zeitgenössische musikalische Spielformen transferieren lassen, das zeigte u.a. das Konzert der Berliner Formation “Brigade Futur III“ mit den musikalisch-politischen Masterminds Michael Haves und Benjamin Weidekamp (beide waren auch Referenten des Symposiums), die sich mit der Leipziger “Spielvereinigung Sued“ zu einer Großformation in Orchesterstärke zusammengerottet haben: Hier rollt die musikalische Politmaschinerie „erbarmungslos und witzig über politische Dumpfbacken, Spießer und neoliberale Anbeter des Mammons“, so lautete die Ankündigung des Jazzforums. Und so klang das dann auch: neutönerisch, respektlos, originell und herausfordernd. – Jazz und Politik: es geht eben doch!

Am Mikrofon: Guenter Hottmann

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