Julia Malik

Die Film- und Bühnenschauspielerin Julia Malik erzählt in ihrem Debütroman Brauch Blau von einer Frau, die verzweifelt versucht, Grenzen zu setzen.

"Wäsche waschen, Wäsche falten, Kinderzimmer aufräumen, alle Zimmer aufräumen, staubsaugen, Töpfe abspülen, kochen und noch mal kochen. Gut gelaunt sein. Nicht zu oft vor den Kindern weinen." So zählt die Opernsängerin, Mutter zweier Kinder, in ihrem Roman auf, was sie tun muss – jeden Tag. Zwischen der Sorge, den Kindern als alleinerziehende Mutter nicht gerecht zu werden und der Jagd nach dem nächsten Engagement an der Oper, kämpft sie gegen gesellschaftliche Fremdbestimmung und die eigene Anspruchshaltung.

hr2-kultur: Ihr Roman heißt "Brauch Blau", was bedeutet das?

Julia Malik: Aus der Perspektive der Mutter ist es eine Empfindung, ein Bedürfnis nach eine Blase, in der man träumen kann, in der man in seinen eigenen Gefühlen frei ist. Also ohne Verantwortung zu sein, wirklich bei sich zu sein. Was sich natürlich immer überschneidet mit einem äußeren Blau und mit einer Freiheit. Ein Gefühl des Loslassens und Durchatmens, etwas, das sie zum Beispiel auch im Singen hat. Was sie aber auch hat, wenn sie sagt, ich möchte mal ein Bier trinken gehen, abends und nicht aufpassen.

Kinder haben ja andere Bedürfnisse als Erwachsene und haben ja ihre Blase sowieso mit sich. Und der Sohn möchte eine blaue Serviette haben und sagt: "Ich brauch Blau". Für ihn ist es eben genau jetzt das Bedürfnis. Kinder brauchen ja immer auch gerade jetzt etwas und das braucht man als Erwachsener natürlich auch.

Ihre Hauptfigur wurde von ihrem Mann verlassen, sie versucht Kinder und Job unter einen Hut zu bekommen und fühlt sich überfordert. Was genau wächst ihr über den Kopf?

Malik: Kinder zu haben bedeutet ja in hohem Maße aufzupassen. Ich habe das wahrgenommen, als meine Tochter ein Baby war. Mit einem Auge, mit einem Ohr ist man immer wach und passt die ganze Zeit auf. Was sehr schön ist, ist dieses Beschützen, aber manchmal merk ich, es ist anstrengend da auch loszulassen, um eigenen künstlerische Dinge zu machen. Also es ist eine Überforderung, die auch ohne Kinder sehr gut stattfinden kann, wenn man mehrere Dinge gleichzeitig macht, dass man versinken möchte und nicht an der Oberfläche festgehalten werden möchte.

Ihr Hauptfigur ist Opernsängerin und erlebt eine Aufführund in Prag, bei der alles schief geht und eine mit großem Erfolg. Dazwischen gibt es nichts. Ist das das Problem der Figur, das es zu wenig Mitte gibt?

Malik: Ja. Es gibt ja immer wieder so Einbrüche. Bei ihr ist es so, dass ihr nach diesem Drama von Prag alles weggebrochen ist, der Job. In diesem Nichts, in dieser Leere hält sie es halt ganz schlecht aus. (...) Was ja jetzt auch ein Thema ist, durch Corona, weil so viele Sachen für Künstler wegbrechen. Und das muss man ja auch finanziell aushalten und dann muss sie es natürlich auch geistig aushalten. Denn man liebt ja seine Arbeit meistens so, dass man da auch eine Verbundenheit hat, da etwas machen möchte. Da es ja auch eine bestimmte Möglichkeit ist etwas auszudrücken, von sich.

Unter dem Motto "Erregungen" wollte das 10. Literaturfestival FrankfurtRheinMain literaTurm die zunehmende Gereiztheit gesellschaftlicher Debatten in den Fokus stellen. Gespräche mit ausgewählten Festival-Mitwirkenden hören Sie vom 23. bis 27. März im hr2-Kulturfrühstück und hr2-Kulturcafé und können Sie online hören.

Die Fragen stellte hr2-Moderatorin Catherine Mundt.

Sendung: hr2-kultur Kulturcafé, 26.03.2020, 17:05 Uhr.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit