Aus Kopenhagen

Theatre of Voices
Leitung: Paul Hillier
Yngvild Ruud, Orgel

William Byrd (1543-1623): "Laudibus in sanctis" aus den "Cantiones Sacrae"
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621): Ons ist geboren een kindekijn
Sweelinck: Ecce virgo concipiet
Thomas Tallis (ca. 1505-1585): Clarifica me pater
Byrd: "O magnum mysterium", "Beata virgo" und "Ave Maria"
Sweelinck: Hodie Christus natus est
Byrd: A Voluntarie for my Ladye Nevell
Sweelinck: In illo tempore
Byrd: Lullaby, my sweet little baby
Byrd: A Grounde, BK43
Robert White (ca. 1538-1574): Christe qui lux es et dies (IV, à 5)
Sweelinck: Toccata, primi toni
Sweelinck: Gaudete omnes

(Aufnahme vom 19. Dezember aus der Trinitatiskirche)

"O Magnum Mysterium" (Oh, großes Mysterium) und "Christe qui lux est et dies" (Christus, der das Licht und der Tag ist) sind das Wesentliche der Weihnachtsbotschaft. Das Wunder der Geburt des Sohns Gottes und die Hoffnung auf die Erlösung unserer Seelen stand als Stern über Bethlehem. Dieses Programm ist eine Auswahl der schönsten Vokal- und Orgelmusik der Renaissance: Lobpreisung, die Verkündigung, das Mysterium, die Geburt, die Wiege des Christkindes und das Licht Gottes über der Menschheit.

Vor fast 450 Jahren wurde wieder ein neuer Stern im Himmel entdeckt und Tycho Brahe veröffentlichte 1573 das Buch "De Nova Stella" (Über den Neuen Stern), das zum Ausgangspunkt der modernen Astronomie wurde – zunächst auf der Insel Hven und später im Rundturm.
Die Entdeckung erregte internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung, wurde aber auch als Warnung vor Unheil und dem bevorstehenden Untergang der Welt angesehen. Und es gab Unheil in Form von Krieg und Krankheit. Die Pest breitete sich erneut in ganz Europa aus und traf im Herbst 1574 London.
Hier traf es den Organisten, Komponisten und Orgelbauer Robert White (1538-1574), der mit seiner Familie im Alter von nur 36 Jahren starb. Sein "Christe qui lux est et dies" ist das vierte Werk, das er für diesen Text geschrieben hat und das den ständigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit widerspiegelt. Der Verlust von Robert White war laut seinem Zeitgenossen Thomas Morley groß. Nicht nur für Westminster Abbey, wo er beschäftigt war, sondern für das ganze Musikleben. Auf dem Kontinent lebte Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) in der Zeit des Übergangs von der Renaissance zum Barock, den er als Organist, Improvisator, Komponist und Lehrer maßgeblich beeinflusste. Er gilt als einer der Hauptvertreter der niederländischen Orgelschule, vor allem mit der Entwicklung der Fuge, hinterließ aber auch über 250 Vokalwerke. Zu dieser Zeit war er als "Amsterdams Orpheus" bekannt, in Anlehnung an Dowland als "Englands Orpheus". Obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass er England besucht hätte, sind Sweelincks Werke in mehreren zeitgenössischen englischen Manuskriptsammlungen zu finden, und als Beleg für den reichen musikalischen Austausch der Zeit hat er eine Variation zu Dowlands berühmtem "Lacrymae" (Flow my Tears) geschrieben.

Sendung: hr2-kultur, "Alte und neue Weihnachtsmusik", 20.12.2020, 11:00 Uhr

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