Sie sei ein "abstoßendes Werk" wetterte einst der einflussreiche Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick über die 7. Sinfonie von Anton Bruckner, bestünde sie doch auch noch aus "hinauf- und hinablamentierenden Schusterflecken".

Anton Bruckner (1824-1896): 7. Sinfonie E-Dur 

1921 bearbeitet für Klarinette, Horn, Streichquintett, Klavier und Harmonium von Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl sowie 2011 überarbeitet und um eine Flöte ergänzt von Henk Guittart 

Gruppo Montebello 
Dirigent: Henk Guittart 

(Aufnahme: 29./30. Oktober 2011, The Banff Centre, Banff, Alberta/Kanada) 

Doch die wiederholten melodischen Versetzungen von einer Tonstufe zur nächsten – das meint Schusterfleck - fanden nicht alle Musikkenner so fürchterlich oder überhaupt der Rede wert. Ganz im Gegenteil: Die 1884 in Leipzig uraufgeführte Sinfonie, von der Bruckner auch nicht mehr als nur eine Fassung vorlegte, begeisterte, brachte ihm – nach jahrzehntelanger Ablehnung – Anerkennung und begründete seinen Ruf als bedeutender Sinfoniker.

Im Umfeld des 1918 von Arnold Schönberg in Wien gegründeten "Vereins für musikalische Privataufführungen", der sich um das weite Spektrum der Moderne kümmerte, um das, was "Physiognomie und Charakter" hat, entstand 1921 auch die kammermusikalische Kollektiv-Bearbeitung von Bruckners Siebter durch die Schönberg-Schüler Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl. Aufgeführt wurde diese Version allerdings nicht innerhalb der erlesenen Programme des Vereins, dem kein Orchester zur Verfügung stand und der aufgrund fehlender Finanzmittel im Dezember 1921 seine Arbeit einstellen musste. Erst in den 1980er Jahren kam das ebenfalls beeindruckende und analytische Reduktionsarrangement zur Uraufführung.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 27.05.2021, 20:04 Uhr.

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